Die erste Uni-Woche habe ich nun erfolgreich hinter mich gebracht. Da gab es gar viel zu beachten: Neben zahlreichen Batzen Paperwork so zum Beispiel die Frage der Kurswahl: Neben einem kleinen Forschungs-Projekt über neuartige Halbleitermaterialien habe ich nun einen Kurs über Röntgenstrukturanalyse, einen Physik-Kurs (Elektronik) und einen Spaßkurs in Yuppiekunde (Golf) in mein Pensum aufgenommen. Die erste Woche ging auch ganz gut über die Runden, aber sich nach 2 Monaten Ferien wieder an Vorlesungen, Laborarbeit und Bücher gewöhnen zu müssen, ist auch in Amerika nicht leichter als daheim.
Deswegen war am Wochenende auch erstmal wieder Erholung angesagt: Fünf Autostunden von Corvallis entfernt, im bergigen Süden Oregons, liegt Crater Lake. Dieser Nationalpark beherbergt im Krater eines erloschenen Vulkans den siebttiefsten See der Welt. Nachdem man uns den Teich schon zahllose Wochen im Voraus schmackhaft gemacht hatte, wollten alle German Exchanges ihn sich nicht mehr entgehen lassen. Während der größte Trupp allerdings schon letztes Wochenende dorthin getourt war, musste ich wegen sozial relevanter Verpflichtungen (Fahrradverkauf und Fachbereichsgrillen) leider daheim bleiben.
Doch glücklicherweise fanden sich in Eugene noch einige Rekruten für die Nachzügler-Tour am letzten geöffneten Wochenende des Jahres, und so machten wir uns um 7 Uhr morgens im Mietauto von Eugene aus auf den langen, langen Weg gen Süden.
Und wir wurden überrascht: Während Trupp I sieben Tage zuvor noch zelten und im See baden konnte, wurde Trupp II von einer Schneelandschaft empfangen. Der Anblick ist unglaublich und AWESOME. Grüne Bäume, bedeckt mit weißem Schnee, vor grauen Felsen, umgeben von stahlblauem Himmel und See. Nach einer Rundfahrt um den See machten wir uns auf zum Aussichtspunkt "Watchman". Der liegt auf einem ziemlich hohen Hügel, den der geneigte Wandersmann auf einem Waldweg unter hohen Fichten durch Schnee und Matsch zu erklimmen hat. Man ist hier dabei mehr oder weniger für sich: Auf dem ganzen Weg trafen wir vielleicht 5 Wanderer, und ein zutrauliches Streifenhörnchen.
Doch nach stundenlangem Marsch endlich mit nassen Schuhen oben angekommen, bot sich zwischen den umgebenden, immer wieder aufreißenden Wolken ein unglaublicher Blick: Der blaue See mit seiner Insel und dem blauen, bis in die Tiefe durchsichtigen Wasser auf der einen Seite, auf der anderen Seite endloser Wald, und am Horizont strahlen die endlosen Hügelketten Kaliforniens im Licht der schrägstehenden Sonne in allen Farben. Doch bei Temperaturen um den Gefrierpunkt in den Wolken zu stehen, ist nicht lange schön, und so wurde ziemlich zügig der Rückweg angetreten.
Ich bin immer wieder beeindruckt von den Tieren in Oregon. Neben schon beschriebenen Streifenhörnchen gibt es hier eine spezielle Sorte Eichhörnchen, grau und viel größer als in Deutschland. Eine seltsame blaue Vogelart weckt mich jeden Morgen mit markerschütterndem Geschrei ähnlich einer Elster, und der in Europa praktisch längst ausgerottete Kolkrabe wird zum gewohnten Anblick. Im Nationalpark raten gar Hinweitafeln zum richtigen Verhalten beim Kontakt mit Berglöwen (wir haben leider keinen gesehen).
Morgen ist Montag: Das heißt erstmal Abschied nehmen von Wald und Natur, und wieder rein ins stickige Labor... doch ab und an muss man halt auch mal studieren.

2 Kommentare:
schwer begeistert! sehr coole Aussicht! :)
oh flixi, du hasts schon gut... wenn ich die Fotos seh komm ich im Frühjahr noch wirklich dich besuchen :P Ulla
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