"Liebe Fluggäste des Fluges LH 160 nach Frankfurt, leider ist Ihre Maschine eben erst in Frankfurt losgeflogen. Deshalb verzögert sich der Abflug um etwa eine halbe Stunde. Bitte haben Sie Verständnis." - Lufthansa Bodenpersonal STR
"He, Sie da, bleiben Sie gefälligst stehen, was meinen Sie eigentlich, wer Sie sind, wo Sie hinzugehen haben, sage ich ich Ihnen und sonst niemand! So, und jetzt Schalter sechs, ja los, ich hab auch nicht den ganzen Tag Zeit!" - Garstige Frau vom Sicherheitspersonal FRA
"Liebe Fluggäste, weil Regenwasser in die Kabine eindringt, verzögert sich das Boarding leider auf unbestimmte Zeit. Wir, äh, unsere Techniker versuchen, das Problem zu lösen. Vielen Dank für Ihr Verständnis." - Bodenpersonal der Lufthansa in FRA, alle Passagiere warten schon am Flugzeugrüssel.
"Liebe Passagiere, leider müssen wir aus Sicherheitsgründen zwei Koffer suchen und wieder ausladen, weil die zugehörigen Passagiere nicht an Bord sind. Deshalb verzögert sich unser Abflug nochmals." Piloten-Ansage, das mittlerweile abgedichtete Flugzeug ist schon auf dem Weg zum Start.
Trotz allem habe ich es geschafft, dem engen Flugplan irgendwie nachzukommen, wobei ich allerdings etwa die gefühlte Hälfte der Flugstrecke wandernd auf dem Washingtoner Flughafen zurücklegen durfte. Und da saß ich nun, nach 20 Stunden unterwegs, mit zwei Koffern irgendwo in Portland, der unbekannten Stadt, in der ich mich nun 2 Wochen auf mein Auslandsjahr im unbekannten Land vorbereiten (lassen) sollte, und wartete auf Einlass ins Studentenwohnheim "Broadway Hall". Übrigens bin ich laut dem IQ-Test im United Airlines-Bordmagazin hochbegabt (mit 1 von 10 richtigen Antworten wäre ich allerdings auch schon "average")!
Zum Glück waren die anderen Austauschstudenten schon vorausgeflogen und hatten mir ein Stückweit die Bahn geebnet :).
Die folgenden Tage boten unter anderem viele Informationen über die Tücken der interkulturellen Verständigung, Tricks bei der Wohnungssuche und beim Autokauf, einen Praxis-Crashkurs "American Fastfood I-III: Burger, Sandwich, Mexican".
Portland ist eine unglaublich sympathische Stadt, sehr grün und irgendwie mit europäischem Flair. Toll: Straßenbahnen und Busse bringen einen kostenlos überall hin, auch zur örtlichen Mall - da wird man den gesparten Fahrpreis dafür umso schneller wieder los.
Der nächtliche Blick aus dem Restaurant im obersten Stockwerk eines Wolkenkratzers ist auch die 5 $ für ein Fläschchen "Miller Light" wert.
Apropos Bier: die Lieblingssorte unseres Special Program Assistants Oko nennt sich St. Pauli Girl und wird (angeblich) aus Bremen importiert.
Etwas beängstigend wirkt dagegen die Zeitung, die wir zwecks Herbergssuche studieren: Neben dem gut gemeinten tierärztlichen Rat: "Don't feed your pet with alcohol" wirbt der örtliche Gun Store mit Fotos von Männern in Flecktarn-Jagdanzügen, die schwer bewaffnet durch den Wald pirschen: "Get it now- then you have time to prepare". Wieso verkauft man Leuten, denen man offenbar zutraut, ihrem Hamster Whisky ins Trinkfläschchen zu füllen, großkalibrige Jagdwaffen? Die Antwort: "It's a fuckin' free country!"

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