...ein Vierteljahr nach dem letzten Eintrag melde ich mich endlich wieder zu Wort.
Seit zwei Monaten bin ich wieder in Deutschland angekommen, und vom Alltagskram wieder eingenommen.
Wohnung suchen, Geld verdienen (ein neuer Computer muss her), und unglaublich viel KRAM erledigen. Heute zum Beispiel habe ich einen aus mir unerklärlichen Gründen in Moldavien abgestempelten Brief der Banc of America bekommen, die sich über meine mangelnde Kontoverwendung beklagt - dass ich den account gekündigt habe, haben sie wohl vergessen.
Mit den Monaten, die ich wieder in Deutschland bin, denke ich immer verzückter (ist das das richtige Wort)? an das hinter mir liegende Jahr zurück.
Immer etwas Neues erleben, und fast jeder Tag geht anders, besser zu Ende als man sich es vorgestellt hat - ich habe eine großartige Zeit erlebt.
Dieser Blog wird nun wohl erstmal in den Winterschlaf geschickt, aber ich werde noch ein paar Fotos zur Fotoseite hinzufügen - denn es hat sich schon noch einiges getan zwischen meinem letzten Eintrag und der Rückreise: Trips zum Mount St. Helens, einem aktiven Vulkan in Washington, und in die Wüste Central Oregons zum Beispiel wollen noch dokumentiert sein.
Jetzt muss ich aber erstmal den Erfahrungsbericht für meinen Stipendiengeber verfassen, und zwar am besten vorgestern :)
Donnerstag, 14. August 2008
Montag, 28. April 2008
Die Roadtrip-Fotos...
...sind endlich editiert und beschriftet!
Bilder aus Seattle gibt es im Lauf der Woche.
Bilder aus Seattle gibt es im Lauf der Woche.
Montag, 21. April 2008
Nukular, das Wort heißt nukular!

Dass auf dem OSU-Campus direkt nebeneinander Schafe weiden und Atomphysik betrieben wird, habe ich ja früher schonmal erwähnt, und auch über die Schafe meine ich das eine oder andere Wort verloren zu haben.
Deswegen kommt heute mal das andere Ende der Fahnenstange dran: Ich wär nämlich dank der Vermittlung eines Nuclear Science-Studenten heute Augenzeuge eines sogenannten "Reactor Pulse Event".
Ich möchte das Spektakel hier kurz beschreiben - weil ich aber von Kernphysik oder Reaktortechnik selber kaum Ahnung habe, gibt es keine wüste Fachsimpelei zu befürchten!
Vermutlich wird mich jeder Physiker prügeln, für das, was ich hier von mir gebe, aber ich versuche mal, das Prinzip des OSU-Kernreaktors ganz populärwissenschaftlich zu erklären:
Der Forschungsreaktor, der hier Angst und Schrecken verbreitet (weniger unter den Studenten als unter deren besorgter Anverwandtschaft), dient nicht zur Stromerzeugung, sondern vor allem der Bestrahlung von Proben (Argonmethode zur Altersbestimmung von Mondgestein), der Erzeugung radioaktiver Isotope für die Nuklearmedizin, sowie der Gewinnung von Neutronenstrahlung für diverse wissenschaftliche Anwendungen.
Das "Gerät" ist relativ simpel aufgebaut: Es besteht aus einem runden Wasserbecken, etwa 2 Meter im Durchmesser und 5 Meter tief. Am Grunde dieses Tümpels befinden sich die Brennstäbe (U-235), das Wasser dient zur Kühlung und als wirksame und obendrein transparente Abschirmung.
Die Kernreaktion an sich wird dadurch in Gang gehalten, dass bestimmte Teilchen, nämlich Neutronen, durch die Gegend flitzen, und, wenn sie dabei auf ein Uranatom scheppern, erstens Wärme freisetzen und zweitens ein zusätzliches Neutron aus dem Uran herauslösen - somit hat man nun schon zwei Neutronen, wenig später dann 4, 8, 16, (und ebensoviel Wärme!). Im Nu ist man bei einer unkontrollierten Kettenreaktion angelangt - dieses Prinzip ist besser bekannt als "Atombombe".
Letztere möchte man aus nachvollziehbaren Gründen aber ungern auf dem Campus haben. Aus dem Grund schiebt man zwischen die Brennstäbe sogenannte Steuerstäbe: Die bestehen aus einem speziellen Material und verschlucken die zusätzlich erzeugten Neutronen teilweise, und je weiter man die Steuer- zwischen die Brennstäbe schiebt, desto schwächer wird die Kernreaktion.
(Letzteres ist - unter Anderem - in Tschernobyl schiefgegangen.)
Sind bei unserem Forschungsreaktor die Stäbe ganz eingefangen, dümpelt er mit einer Leistung von nur 15 W vor sich hin - etwa halb so viel wie ein Teelicht.
Beim sogenannten "Reactor Pulse" geschieht nun Folgendes: Man zieht einen Steuerstab ganz kurz aus dem Reaktorkern hinaus, und lässt ihn (um einer Kernexplosion aus dem Weg zu gehen) gleich wieder hineinscheppern - eine Hundertselsekunde lang entwickelt das Teelicht nun soviel Wärme wie ein Großkraftwerk!
Im Reaktor sieht man plötzlich ein Aufblitzen, und danach ist das Becken von einem langsam abklingenden, sehr geheimnisvollen, bläulichen Leuchten erfüllt (siehe Bild).
Dabei handelt es sich um so eine Art "Überlichtknall", erzeugt von Spaltprodukten, die schneller durchs Wasser sausen als das Licht. Wilde Physik.
Die optische Show war auf jeden Fall interessant - und zur Beruhigung für besorgte Angehörige: Das Dosimeter, was beim Experiment mit dabei war, zeigte keine messbare Kontamination an.
Trotzdem: Im Chemielabor fühle ich mich sicherer :).
Samstag, 19. April 2008
Tripping
...road tripping, genauer gesagt. Dieser längst überfällige Artikel (Asche auf mein Haupt!) widmet sich endlich der wilden Woche on the road!
Das Spring Term hat vor drei Wochen begonnen, und plätschert mit undergrad-Kursen und einem bislang unangerührten Research Project vor sich hin.
Kathrin ist gestern wieder abgefahren, die angestaute Homeworl ist größtenteils erledigt oder vergessen, und endlich, endlich kann ich mich mal dazu aufraffen, und die Verpfllichtung gegenüber allen Daheimgebliebenen wahrnehmen, Blog und Fotoseite wieder auf den aktuellen Stand zu bringen!
Bekannterweise bringt der übliche amerikanische Collegestudent seine Woche Ferien zwischen Winter und Spring Term (spring break) damit zu, nach Mexiko zu jetten und dort dem Alkohol und anderen Verpflichtungen zu frönen.
Das stimmt aber gar nicht! Wie mir die Gesellen aus der Conversation Class (eine Veranstaltung, wo ich mit amerikanischen Studenten einmal wöchentlich eine Stunde Deutsch sprechen soll) versichert haben, waren sie "zuhause" und haben "gar nichts" gemacht, außer "geschlafen" und "TV".
Naja, im Ausgleich dazu haben Johannes, Michal und ich eine Woche lang den Südwesten der USA unsicher gemacht, und unser armes kleines Mietauto zehn Tage lang von morgens bis abends über Stock und Stein gehetzt.
5000 Meilen und über 100 Gallonen Benzin später haben sich so viele Eindrücke (und Ausdrücke ;) ) angesammelt, dass ich beschlossen habe, dem Roadtrip ein eigenes Unteralbum auf der Fotoseite zu widmen, und die Erklärungen und Kommentare gleich mit den Fotos zu vereinigen - das macht's einfacher für mich, und anschaulicher und luschdiger für alle anderen Beteiligten!
Kaum war der Roadtrip vorbei und die Uni in den Startlöchern, kam Kathrin vorbeigeschneit, um sich das amerikanische Collegeleben in "Papphäuschenhausen" (Wortkreation von Kathrin) mal näher anzuschauen - und da das nicht alles sein kann, musste man natürlich gleich noch mal auf Reisen gehen! Leider war die Bahnstrecke nach San Francisco gesperrt (ein Erdrutsch, der im Januar die Gleise verschüttet hatte, konnte bislang leider nicht weggeräumt werden!).
Alternativziel: Seattle! Die angebliche Regenmetropole begrüßte mich nun schon zum zweiten Mal mit strahlend schönem Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen, und es wurde ein ganz tolles Wochenende!
Die Fotos dazu und müssen sich aber noch ein bisschen gedulden. Ich nehme mir ganz fest vor, sie morgen hochzuladen und zu kommentieren!
Allerbest wishes!
ANMERKUNG: Die Fotos, die ich gerade so liebevoll sortiert und kommentiert habe, hat mein tausendmal gehasstes Fotoalbum-Programm wieder durcheinandergewurschtelt und der Beschreibungen beraubt. Jetzt habe ich aber keine Lust mehr, alles nochmal zu machen - die Fotos sind online, nur die Beschreibungen müssen bis morgen warten.
ANMERKUNG 2: Bis übermorgen. Sorry. :)
Donnerstag, 28. Februar 2008
Oh say, can't you see... - FOTOS JETZT ONLINE!
Liebe Leser,
hier kommt endlich der versprochene Eintrag zum Fulbright-gesponsorten Trip nach Washington D.C.!
Irgendwie ist es schon verrückt, jetzt bin ich seit einem halben Jahr in den USA, und habe das Land schon fünfmal im Flugzeug überquert. Der letzte Trip führte mich direkt ins politische Zentrum der vereinigten Staaten und einen der Brennpunkte der Weltpolitik! Doch der Reihe nach:
Ende vergangenen Jahres kündigte mein Stipendiengeber an, mich auf ein sogenanntes "Cultural Enrichment Seminar" an die Ostküste schicken zu wollen - unter Übernahme aller Spesen, versteht sich. Dazu habe ich natürlich nicht nein gesagt, und so bestieg ich letzte Woche den Flieger nach Washington!
Bei der Ankunft fand ich mich, völlig erschlagen von der durch mehrmaliges Umsteigen und drei Stunden Zeitverschiebung geprägten Nacht, in einem todesvornehmen Hotel wieder, zusammen mit weit über hundert anderen Gaststudenten aus allen Ecken der Erde, die gerade an allen möglichen Orten der USA ein Auslandsjahr (oder mehr) verbringen, allerdings vornehmlich an eher gehobenen Adressen (Harvard U, MIT, Berkeley waren mit am häufigsten vertreten).
Das Seminarprogramm bestand aus teils sehr guten Vorträgen von Fulbright-Officials und Stipendiaten zur politischen Situation in ihrem Land, einer Wahlsimulation (bei der mein Team kläglichst untergegangen ist, aber es war trotzdem ein großer Spaß!!!), und einer großen Stadtführung. Einer der Main-Acts, die Diskussion mit High-School-Studenten aus der Region, fiel aufgrund von Glatteis leider aus, aber so blieb schon mehr Zeit für die vielbesungenen Museen der Smithsonian Instituition, die allesamt groß, großartig und großzügig (da kostenfrei) sind! Auf der Fotoseite werde ich einiges dazu erklären.
Der Baustil von Washington gefällt mir überhaupt nicht. Huch! Ja, die Stadt ist zwar geordnet, wohlorganisiert, unglaublich sauber, und sogar die Metro funktioniert zuverlässig - aber wenn mehreren Generationen von Städteplanern in bald 300 Jahren nichts anderes einfällt als griechische Säulen, Marmortempel, noch größere Tempel und noch protzigere Säulen, dann finde ich das schon ein bisschen enttäuschend.
Natürlich soll eine Hauptstadt repräsentativ wirken, und ein bisschen Angabe ist sicher auch in Ordnung. Aber warum sieht jedes, wirklich JEDES Repräsentationsgebäude gleich aus, und warum ausgerechnet in den USA, dem Land, das die Architektur des 20. Jahrhunderts geprägt hat wie kein zweites?
Hat man sich aber erstmal an den immer gegenwärtigen Prunk gewöhnt, hat die Stadt außer Museen noch einiges mehr zu bieten! Man kann nämlich auch fein essen gehen (war ich zweimal :) ), fein trinken gehen (war ich auch), und sehr gehoben weggehen (hab ich mir auch nicht entgehen lassen). Die vielen Grünflächen sind wirklich toll, und machen vor allem das Regierungsviertel mit seinen Parks und den vielen Skulpturen-Gärten wirklich zu einer innerstädtischen Oase.
Sehr viel Spaß hat mir auch der "Homestay" gemacht. Dabei wurden wir in kleinen Gruppen von Fulbright-Alumni aus der Region nach Hause zum Essen eingeladen. Mein Gastgeber war ursprünglich als jordanischer Austtauschstudent an die Ostküste gekommen, und es war wirklich sehr angenehm und interessant, sich ausnahmsweise mal im unspießigen, anzugfreien Rahmen zu unterhalten.
Sehr gern wäre ich noch ein paar Tage nach New York gefahren (35$ roundtrip), aber die Uni ruft, und so musste ich Sonntag Nachmittag wieder das Flugzeug Richtung Westen besteigen.
Wer noch ein wenig mehr über meine 5 Tage im "Zentrum der Weltpolitik"erfahren mag, ist sehr herzlich eingeladen, sich die kommentierten Bilder anzuschauen!
Montag, 25. Februar 2008
Mission accomplished!
Nach einer tollen Woche in Washington D.C. und stundenlangen Flügen in allen möglichen Geräten, die die US-amerikanische Luftfahrt so zu bieten hat, bin ich seit heute morgen heil wieder in Corvallis angekommen!
Aufgrund der Tatsache, dass ich heute früh schon um 5.30 aufstehen musste, um den Greyhound von Eugene nach Corvallis zu erwischen, bitte ich den geschätzen Leser um Nachsicht: Blog-Artikel und Fotos folgen im Lauf des morgigen Tags!
Aufgrund der Tatsache, dass ich heute früh schon um 5.30 aufstehen musste, um den Greyhound von Eugene nach Corvallis zu erwischen, bitte ich den geschätzen Leser um Nachsicht: Blog-Artikel und Fotos folgen im Lauf des morgigen Tags!
Montag, 18. Februar 2008
Up, up and away...

...geht es morgen abend!
Das U.S. Department of State hat sich freundlicherweise bereiterklärt, mir ein viertägiges "Cultural Enrichment Seminar" in Washington D.C. zu spendieren, und genau dort hin werde ich morgen die Reise antreten!
Die letzten Wochen sind relativ ruhig verlaufen: Einmal abgesehen von einer kleinen Autopanne im Tiefschnee auf dem Rückweg von den Hotprings, der das Zusammentreffen mit zwei oregoner Originalen vorausging und an die sich eine abenteuerliche Fahrt auf einer Pickup-Pritsche anschloss, gingen die letzten Wochen eher unspektakulär durchs Land. Nicht dass es langweilig wäre, die Uni ist gut und aus irgendeinem Grund viel anspruchsvoller als letztes Term. Dementsprechend gab es leider in der letzten Zeit wenig abenteuerliche Unternehmungen, immerhin war ich am vergangenen Wochenende mit dem Uni-Outdoor-Sports-Programm auf einem Schneeschuhtrip mit anschließendem Hotsprings-Besuch. Die riesigen, tiefgrünen Bäume im drei Meter hohen Schnee sind immer wieder eindrucksvoll! Ein paar Fotos davon gibt es ab sofort auf meiner Fotoseite.
In Corvallis bricht bereits der Frühling aus - die ersten Krokusse lassen sich blicken und der blaue Kraaaaaak-Vogel kraaaaakt wieder nach Herzenlust. Nachbars Hühner legen Eier wie verrückt, und ich habe festgestellt: Das Gesetz, was es den Leuten hier untersagt, gleichzeitig im Auto zu kopulieren UND zu hupen, ist nicht ohne Grund geschaffen worden. Man staunt jeden einzelnen Tag über dieses Volk.
Wenn ich das so schreibe, wird mir klar, wie nötig mal ein eigener Blogartikel über die Amerikaner ist - und ich verspreche, dass ich das nächste Regenwochenende dazu nutzen werde.
Es ist Mitternacht, und ich muss noch mein Säckli packen, I apologize und verspreche dem geneigten Leser einen ausführlichen Bericht über die Stadt mit dem Haus mit dem bösen Mann drin.
Bis dahin empfehle ich die aktualisierte Fotoseite zur Unterhaltung!
Take care.
Dienstag, 8. Januar 2008
Crazy Ass Dude City

In den USA entfielen im letzten Jahr 0,1% der gefahrenen Personenkilometer auf den Zug. Das ist kein Wunder, denn das amerikanische Bahnnetz ist äußerst dünn, die Gleise sind durchweg einspurig und in einem schauderhaften Zustand, und Verspätungen sind aus verschiedenen Gründen mehr die Regel als die Ausnahme.
Auf der Suche nach einer Silvester-Beschäftigung blieben mein in Oregon wiedergefundener Sandkastenfreund Johannes und ich dann doch bei Amtrak hängen: Die Reise sollte nach San Francisco gehen, und zufällig fährt auch ein Nachtzug vom Nachbarort Albany direkt in die schillernde Westküstenmetropole, und zwar über eine vielbesungene, angeblich bildhaft schöne Strecke abseits aller Straßen und Industrie. Dazu noch konkurrenzlos billig zur Hauptreisezeit, und das nach dem Spanientrip schon angeschlagene ökologische Gewissen tat den Rest.
In der Tat war die Reise durchaus angenehm: Die amerikanischen Züge sind unglaublich bequem und geräumig, und von den üppigen Sitzabständen, Kopfkissen und Beinstützen kann der geplagte DB-Kunde nur träumen!
Auch wenn man die meiste Zeit eher im Zockeltempo unterwegs ist oder steht, ist das Reisen somit sehr angenehm. Dazu fährt der Zug wirklich durch eine traumhaft schöne Landschaft, vom dauerverregneten Corvallis durch den Tiefschnee in den Bergen Süd-Oregons an die Küste! Nach 16 Stunden Reise und mit 3 Stunden Verspätung standen wir dann schließlich bei strahlendem Sonnenschein mitten in SAN FRANCISCO!
Als allererste Unternehmung war der feierliche Marsch über die Golden Gate Bridge geplant: Das leider totgedruckte Postkartenmotiv ist in der Realität durchaus beeindruckend. Die wirkliche Größe dieses Monstrums wurde mir aber erst bewusst, als nach Hin- und Rückmarsch die Hände erfroren waren und die Knie wehtaten. Das Ding ist RIESIG! Und im pfeifenden Wind zig Meter über dem Wasser dahinzuwandeln, ist schon ein besonderes Gefühl!
Trotzdem war aber der 31. Dezember, und am Abend konnten wir dann im größten Gedränge aller Zeiten ein tolles Feuerwerk am Hafen genießen, das dem Seenachtsfest-Feuerwerk in Konstanz um nichts nachstand!
San Francisco ist eine ziemlich vielschichtige Stadt: Neben dem protzigsten Einkaufszentrum aller Zeiten, das mit Kurvenrolltreppen (ein völlig unnützer, dafür aber enormer technischer Aufwand) und überabzählbar unendlich viel Glitzer zu prahlen versucht, hängen zahllose Obdachlose, meistens betrunken, an den Laternenpfählen ("loitering"); und das Armuts- und Kriminalitätsproblem wird bislang meinem Eindruck nach vor allem symptomatisch bekämpft: Parkplätze werden bewacht, Einkaufswagen, in denen Pennbrüder ihre Habe durch die Gegend fahren, werden von eigens dafür angeschafften Polizei-Pickups wieder eingesammelt, und private Sicherheitsfirmen machen das große Geschäft mit dem Vertreiben loiternder Obdachloser.
Trotzdem hat sich so eine Art behördenunabhängiges, inoffizielles Sozialsystem in der Stadt entwickelt: Für den Bus etwa zahlt eben jeder soviel wie er kann: Touristen zahlen den vollen (durchaus fairen) Preis, berufliche Pfandflaschensammler bekommen den Fahrschein dafür umsonst ausgehändigt. Das gleiche Prinzip gilt auch für Pizzabuden und Frühstücks-Cafés, zumindest in den entsprechenden Gegenden.
Apropos Pizzabude: In San Francisco gibt es richtiges Brot! Da macht man dann ein Loch rein und füllt es mit Clam Chowder (Muschelsuppe) - großartig! Zahllose Kneipen, Pubs und Live-Band-Auftritte haben uns so manchen Abend ausgesprochen versüßt - auch wenn der Rückweg über die wirklich unglaublich steilen Hügel der Stadt dann noch ein hartes Stück Arbeit verhieß.
Bei diesen Märschen stießen wir immer wieder auf amerikanische Eigentümlichkeiten: Einen lebensgroßen Nachbau von Notre Dame in Paris etwa, der aber im 20. Jahrhundert das Licht der Welt erblickte, und, dem Zeitgeist entprechend, komplett aus Beton gegossen wurde, oder St. Peter and Paul, eine Kirche, die nur aus einer romanische Fassade vor einer hässlichen Stahlbetonhalle besteht, und im Golden Gate Park schließlich erwartet den geneigten Besucher ein betönernes, aber riesiges Römermonument.
An den letzten beiden Tagen wütete dann der große Sturm - die Alcatraz-Besichtigung musste verschoben werden, und als die ersten morschen Strommasten einfach umfielen, blieben die Lampen dunkel und die ansonsten zuverlässigen Trolleybusse einfach stehen.
Wegen des scheußlichen Wetters gingen wir dann ins Cable-Car-Powerhouse, die Zentralstation, wo man den Antriebsmechanismus für die altertümlichen Vehikel begutachten kann. Da trafen wir Mitaustauschler Jörg - der war mit Freundin auf eine vierwöchige USA-Tournee aufgebrochen, und befand sich zufällig an diesem Tag zu dieser Stunde in der gleichen Stadt ebenfalls im Cable Car Powerhouse.
Viele Grüße aus dem irgendwie doch kleinen Land weit im Westen!
AKTUALISIERUNG: Mit meinem weisen Kommentar versehene Fotos ab sofort auf der Fotoseite :).
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