Sonntag, 30. September 2007

Crater Lake


Die erste Uni-Woche habe ich nun erfolgreich hinter mich gebracht. Da gab es gar viel zu beachten: Neben zahlreichen Batzen Paperwork so zum Beispiel die Frage der Kurswahl: Neben einem kleinen Forschungs-Projekt über neuartige Halbleitermaterialien habe ich nun einen Kurs über Röntgenstrukturanalyse, einen Physik-Kurs (Elektronik) und einen Spaßkurs in Yuppiekunde (Golf) in mein Pensum aufgenommen. Die erste Woche ging auch ganz gut über die Runden, aber sich nach 2 Monaten Ferien wieder an Vorlesungen, Laborarbeit und Bücher gewöhnen zu müssen, ist auch in Amerika nicht leichter als daheim.
Deswegen war am Wochenende auch erstmal wieder Erholung angesagt: Fünf Autostunden von Corvallis entfernt, im bergigen Süden Oregons, liegt Crater Lake. Dieser Nationalpark beherbergt im Krater eines erloschenen Vulkans den siebttiefsten See der Welt. Nachdem man uns den Teich schon zahllose Wochen im Voraus schmackhaft gemacht hatte, wollten alle German Exchanges ihn sich nicht mehr entgehen lassen. Während der größte Trupp allerdings schon letztes Wochenende dorthin getourt war, musste ich wegen sozial relevanter Verpflichtungen (Fahrradverkauf und Fachbereichsgrillen) leider daheim bleiben.
Doch glücklicherweise fanden sich in Eugene noch einige Rekruten für die Nachzügler-Tour am letzten geöffneten Wochenende des Jahres, und so machten wir uns um 7 Uhr morgens im Mietauto von Eugene aus auf den langen, langen Weg gen Süden.
Und wir wurden überrascht: Während Trupp I sieben Tage zuvor noch zelten und im See baden konnte, wurde Trupp II von einer Schneelandschaft empfangen. Der Anblick ist unglaublich und AWESOME. Grüne Bäume, bedeckt mit weißem Schnee, vor grauen Felsen, umgeben von stahlblauem Himmel und See. Nach einer Rundfahrt um den See machten wir uns auf zum Aussichtspunkt "Watchman". Der liegt auf einem ziemlich hohen Hügel, den der geneigte Wandersmann auf einem Waldweg unter hohen Fichten durch Schnee und Matsch zu erklimmen hat. Man ist hier dabei mehr oder weniger für sich: Auf dem ganzen Weg trafen wir vielleicht 5 Wanderer, und ein zutrauliches Streifenhörnchen.
Doch nach stundenlangem Marsch endlich mit nassen Schuhen oben angekommen, bot sich zwischen den umgebenden, immer wieder aufreißenden Wolken ein unglaublicher Blick: Der blaue See mit seiner Insel und dem blauen, bis in die Tiefe durchsichtigen Wasser auf der einen Seite, auf der anderen Seite endloser Wald, und am Horizont strahlen die endlosen Hügelketten Kaliforniens im Licht der schrägstehenden Sonne in allen Farben. Doch bei Temperaturen um den Gefrierpunkt in den Wolken zu stehen, ist nicht lange schön, und so wurde ziemlich zügig der Rückweg angetreten.
Ich bin immer wieder beeindruckt von den Tieren in Oregon. Neben schon beschriebenen Streifenhörnchen gibt es hier eine spezielle Sorte Eichhörnchen, grau und viel größer als in Deutschland. Eine seltsame blaue Vogelart weckt mich jeden Morgen mit markerschütterndem Geschrei ähnlich einer Elster, und der in Europa praktisch längst ausgerottete Kolkrabe wird zum gewohnten Anblick. Im Nationalpark raten gar Hinweitafeln zum richtigen Verhalten beim Kontakt mit Berglöwen (wir haben leider keinen gesehen).
Morgen ist Montag: Das heißt erstmal Abschied nehmen von Wald und Natur, und wieder rein ins stickige Labor... doch ab und an muss man halt auch mal studieren.

Sonntag, 23. September 2007

Morgen geht's los!

Während die deutsche Studentenschaft noch fast einen Monat lang ihre Ferien genießen darf, habe ich gerade den letzten Abend vor Uni-Beginn und damit dem (relativen) Ernst des Lebens rumgebracht. Allerdings auf eine ganz angenehme Art und Weise:
Der Leiter des örtlichen German-Departments würde gerne die momentane deutsche Studentenschaft anheuern, um seine Konversationsgruppen mit Muttersprachlern auszustatten.
Das Hiwi-Vergabeverfahren kannte ich bislang etwa so: Entweder, man hat Connections oder es gibt einen Aushang mit (ständig besetzter oder unerreichbarer) Telefonnummer irgendwo am schwärzesten Brett im tiefsten Winkel.
Hier geht das offenbar anders: Es wurde die gesamte Corvallis-Crew zum Professor nach Hause eingeladen, wo dann nach einem äußerst schmackhaften mehrgängigen Abendessen (Hühner-Barbecue mit selbst gebackener Heidelbeer-Pie als Nachtisch und gehörig Bier) die nötigen Formalitäten besprochen wurden. Eine davon ist die Beantragung der Sozialversicherungsnummer. Dazu muss man nämlich nach Albany, in den Nachbarort, und zwar genau an das Ende, wo kein Bus hinfährt. Deswegen will uns der freundliche Professor eigens dort hin karren. Offenbar sind Native German Speakers eine sehr begehrte Spezies. Ich sollte mir fast überlegen, "Professional Native German Speaker" oder eine ähnlich gerichtete Karriere anzustreben...

Corvallis hat etwa 50.000 Einwohner. Warum man zu Fuß trotzdem gerne mal 3 Stunden hin und zurück unterwegs ist, weiß ich nun auch: Die Fläche ist aber riesig. Hier hat nämlich jeder sein eigenes Häuschen, so gut wie niemand lebt in einem Hochhaus. Damit auch wirklich alle in Corvallis sich so ein Häuschen leisten können, scheint das Haupt-Baumaterial der ostdeutschen Kraftfahrzeugbau entlehnt: Bis auf das Rathaus, das Gericht, die Uni und das County Jail sind alle Gebäude einfach aus Pappe.
Ich höre zum Beispiel, wenn ich im Bett liege, den Kühlschrank in der Küche drunter summen.
Offenbar hat man in Amerika aber keine Probleme mit hellhörigen Nachbarn. Ich war gestern nämlich auf einer College-Party in der Garage eines solchen Papp-Reihenhauses. Da wurde lautstark Beer Pong gespielt, und das geht so: Man nimmt eine Tischtennisplatte, wenn man nicht, so wie die Gastgeber, einen extra Beer Pong-Tisch hat. Dann stellt man Plastikbecher mit Bier auf jede Seite, und muss dann versuchen, mit einem Ball die Becher der Gegenseite zu treffen.
Ohhhh.... und ich hab jetzt ein Fahrrad! Das ist hier nicht leicht zu kriegen. Nach einem Telefongespräch und einer etwas großzügigen Angabe der Entfernung (Soll: 30 min, Ist: 2,5 Stunden) kam ich bei meinem ersten "bike appointment" an. Da waren die Verkäufer aber leider ausgeflogen... also wieder 2 Stunden zurück. Bei meinem nächsten Anruf war das Radl dann schon verkauft.

Ich hab ich nun ein altes Rennrad mit Oma-Lenker und Oma-Sattel. Da aber auch sowas hier anscheinend klaugefährdet ist, habe ich mir ein Schloss gekauft (das billigste, natürlich) und stolz meinen Neuerwerb vor der Uni angeschlossen. Dumm: Es handelte sich offenbar um ein Einmalschloss, denn es ging zwar zu, aber nicht mehr auf. So ging ich zum Baumarkt (zu Fuß) und kaufte mir eine Feile... man kann 10 Minuten mittags vor der Uni an einem Fahrradschloss rumsägen, und keiner sagt was! Ich musste dann nochmal teures Geld für ein neues Schloss bezahlen... aber ich bin endlich wieder mobil und frei! Und das ist schön.

Freitag, 21. September 2007

Für alle...

...die schon sehnsüchtig auf Fortsetzung warten: Mein Gratis-Internetanschluss (ungesichertes WLAN in der Nachbarschaft) verweigert mir die Treue. Ich bemüh mich aber um eine Lösung und kann euch hoffentlich schon bald wieder mit Neuigkeiten aus dem komischen großen Land im Western versorgen!

Viele Grüße!!

Felix

Sonntag, 16. September 2007

Krab Kamping Kollege


Oregon liegt am Pazifik. Den wollten wir sehen, und denn wollte man uns auch zeigen. Da es von Portland aber ein gutes Stück bis ans Meer ist, wurden wir in die State Vans verfrachtet (offizielle Transportvehikel des Staates Oregon. Eigentlich aber nur Mietautos, in denen man keinen Alkohol transportieren darf) und nach Newport gekarrt, quasi das Lido di Corvallis.
Wir fuhren also langsam gen Küste, im schönsten Sonnenschein, und etwa 10 Kilometer vor Newport wurde es dann grau und diesig, und so sollte es auch bleiben.
Trotzdem gabs abends ein Lagerfeuer am Strand, und wir schafften es auch, trotz des staatlichen Biertransportverbots ein wenig Gerstensaft zu organisieren. "Hamms Lager" wirbt auf der Dose: "From the land of sky blue water". Zu Recht, denn vor allem ebenjenes "Sky Blue Water" hat bei der Herstellung reichlich Verwendung gefunden, will sagen: Das Bier schmeckt nach nix und wirkt auch irgendwie nicht so recht.
Aber trotzdem wurde es ein feiner Abend, und am nächsten Tag war die Attraktion angesagt: Crabfishing!
Crabfishing geht so: Man nimmt ein kleines Motorboot und ein paar Reusen. Die bestückt man dann mit "some nasty stuff", übel riechenden Bollen in Zeitungspapier. Die Reusen versenkt man dann, und versucht, die daran befestigten Bojen nicht aus den Augen zu verlieren. Nun patroulliert man an den Bojen auf und ab, möglichst, ohne die Leinen um die Schraube zu wickeln (haben wir nicht ganz geschafft ;) ).
Ab und zu zieht man die Reusen raus, und wenn ein Krebs drin ist, holt man ihn raus, möglichst, ohne gebissen zu werden. An der Panzerform kann man erkennen, ob es ein Bub oder Mädeli ist (die weiblichen Krebse müssen alle wieder freigelassen werden), und dann misst man den Krebs, ob er die erlaubte Essgröße hat (hatte bei uns nur einer).
So treibt man es einige Zeit, der "Nasty Stuff" hat sich vom Zeitungspapier befreit und entpuppt sich als Rückstand der Pelztier-Industrie.
Aber nicht nur Krebse finden so was lecker, auch ein Seehund kam vorbei und versuchte, uns unseren Köder zu klauen!
Wenn man keine Lust, keine Zeit oder kein Geld mehr hat, fährt man zurück und schmeißt den Nerz ins Wasser. Die Krebse werden gekocht und ausgenommen, den fehlenden Anteil Fang kauft man beim örtlichen Fischhändler zu. Erstaunlicherweise ist Portland ein funktionierendes Fischerdorf, die Infrastruktur geht weit über das hinaus, was man in deutschen oder französischen "Fischerdörfern" aus Touri-Zwecken am Leben hält.
Abends am Campingplatz wurden dann die Krebse zusammen mit Kartoffeln und Gemüse in einen Topf geschmissen und nochmal gekocht. Der ganze Pamps wird dann auf dem Tisch verteilt und einfach so gegessen. Krebs schmeckt sehr sehr gut! Auch wenn mans nicht glauben mag, bei dem, was die Viecher alles fressen.
Übrigens war ich noch im Pazifik! Der hat ungefähr so 0°C. Aber ICH HABS GETAN! :) :) :)
Nächstes Thema: Getting settled - wie man in Corvallis kein Fahrrad kriegt.

Columbia Gorge & Multnomah Falls


Östlich von Portland fließt der zweitlängste Strom Nordamerikas vorbei, und kurz vor seiner Mündung in den Pazifik ist der Columbia River dann auch entsprechend breit. Soviel wusste ich bei der Abfahrt vom Studentenwohnheim, in dem wir untergebracht sind.
Nach einigem wilden Gekurve kam unser Bus dann an einem Aussichtspunkt an, und es war bombastisch. Ein riesiger, stahlblauer Fluss windet sich durch das Tal, mitten drin eine Trauminsel mit weißem Sand (okay, statt Palmen halt mit Fichten, aber gilt auch), als Kulisse eine Vulkanlandschaft und im Hintergrund thront Mt. St. Helens.
Direkt am feinsandigen Ufer: der Interstate Highway.
Ein Stück flussaufwärts ist der Columbia River aufgestaut, ein Wasserkraftwerk erzeugt Strom für die Klimaanlagen der Umgebung. Allerdings haben sich die Betreiber alle Mühe gegeben, und ein wirklich gutes Informations-Zentrum geschaffen, in dem man sich über Wasserkraft, den Bau des Staudamms und die umgebenden Tier- und Pflanzenwelt schlaumachen kann.
Tolle Idee: Die Fischtreppe, die den wandernden Lachsen ermöglichen soll, das Kraftwerk zu passieren, ohne als Sushi zu enden, ist von unten verglast. So kann der geneigte Zuschauer den RIESENGROSSEN Lachs-Tieren beim Ziehen zuschauen, während gruslige Neunaugen mit ihren scharfen Fressmäulern an der Scheibe kleben.
Außerdem wurde sogar noch ein Informations-Häuschen zum Thema Energiesparen eingerichtet - hier stehen die Leute und lauschen mit ernster Miene den drohenden Gefahren, die mit Ressourcenverbrauch und Klimaerwärmung einhergehen, und setzen sich dann in ihre Pickup-Trucks, um bei laufendem Motor (Hauptsache, drinnen wird das Klima nicht zu warm!) in einem Plastikinferno ihr Mittagessen einzunehmen.

In der Nähe des Kraftwerks befinden sich die Multnomah Falls. Mit einer beeindruckenden Fallhöhe, vielleicht 200 m oder so (auch irgendein Vize-Rekord glaube ich), stürzt sich das Wasser über zwei Stufen in ein moosbewachsenes Becken hinab. Die Betreiber der Papierfabrik, die den armen Willamette River so zugerichtet hat, hat wohl das schlechte Gewissen geplagt, jedenfalls windet sich jetzt ein gesponserter Wanderweg bergauf durch den Wald bis zum "Vor dem Fall".
Der Weg ist zwar geteert, aber ziemlich lang und auch relativ steil, und man sieht immer mal wieder dicke Leute keuchend am Rand stehen, die stöhnend nach oben blicken, oder Hunde, die sich von ihren Herrchen tragen lassen.
Wer die etwa 30-45 Minuten Aufstieg hinter sich gebracht hat, wird dafür nochmal mit einem beeindruckenden Blick über den Columbia River belohnt.
Ich mags hier.

Jetboating


Die Menschen in Oregon sind sehr naturverbunden. Auf ihre ganz eigene Art. Das habe ich beim sogenannten "Willamette Jet Boating" erlebt. Der Willamette River ist der Fluss, der durch Portland fließt. Er ist sehr breit und kommt aus einem wunderschönen, grünen Tal, das mit Wasserfällen, hohen Bäumen und einer bemerkenswerten Fauna (Seeadler-Nest) gesegnet ist.
Mit naturschützenden Bauvorschriften ist man hier nicht so streng, denn im Land of Plenty gibt es selbstverständlich genügend freie Flussufer, sodass, wer gut betucht genug ist, sich eine Luxusvilla da hin stellt, je nach Wünschen mit Yacht-Schwimmgarage oder dem farblich zum Wasserflugzeug passenden Kai.
Direkt nach den Wasserfällen befindet sich eine unglaublich hässliche Papierfabrik, eine riesige Anlage, die sich fast einen Kilometer weit am Flussufer entlang streckt. Eigentlich ist sie viel kleiner, aber wenn hier eine alte Fabrik verfällt, wird sie nicht abgerissen und neu aufgebaut, sondern man überlässt sie sich selber und baut eine neue direkt daneben. So wachsen direkt neben rauchenden Schloten junge Buchen aus den Ruinen der alten Dampfkessel, und das in einer Umgebung, nach der sich wahrscheinlich jeder (europäische) Tourismusverband die Finger ablecken würde.
Und vor dieser Kulisse findet nun das Jetboating statt: Ein eher langweilig aussehendes blaues Boot lädt etwa 70 Touris ein, tuckert gemütlich den Strom aufwärts, bis plötzlich irgendwelche verborgenen, aber enorme Motoren aufbrüllen, die Nase des Gefährts hebt sich aus dem Wasser und das ganze Vehikel prescht, eine üble Abgasfahne hinter sich herziehend, mit vielleicht 70 km/h übers Wasser. Jede kleine Welle wird zum Schlagloch, es bockelt wie auf einem wilden Gaul. Das geht dann so lang, bis der Typ am Steuer (leider nuschelte er, deswegen habe ich seine Ausführungen zu Natur und Villen eher nur bruckstückhaft verstanden) entweder
a) abrupt abbremst und dann rückwärts Gas gibt, sodass sich vorne eine weiße Wasserwand auftut, in der der Kahn zu versinken scheint oder
b) ebenfalls eabrupt abbremst, dann aber auf der Stelle wendet und die noch stehende Heckwelle durchkreuzt. Dabei werden dann die Leute nass, vor allem der arme verkaterte Oko, einer unserer Assistenten, hatte einen besonders begünstige Sitzplatz erwischt.
Ich glaube nicht, dass diese Art der Fortbewegung für Natur und Umwelt sonderlich förderlich ist. Allerdings muss man zugeben: sie macht einen Heidenspaß.

Donnerstag, 13. September 2007

Appartment hunting


Donnerstag, 6. September 2007.

Nach einer eher etwas längeren Nacht brachen wir in den State Vans (staatseigenen Gefährten, die als solche gekennzeichnet sind und angeblich nur zu offiziellen Zwecken gebraucht werden dürfen) zur Wohnungssuche auf! Jede Gruppe fuhr in ihre spätere Studienstadt, um dort eine Bleibe zu finden.
Und während dieser zwei Tage Wohnungssuche fanden sich einige schräge Sachen. Während Eugene eindeutig eine Hippiestadt sein soll, ist Corvallis doch eher konservativ geprägt. Neben einer zu besichtigenden Hütte war nämlich das Gefährt aus der Überschrift abgestellt.
Während einige arme Zeitgenossen die ersten Nächte noch im Motel vebringen müssen, habe ich eine Bleibe bei Abby, der Leiterin des örtlichen Zen-Buddhisten-Meditationskreises gefunden. Bin mal gespannt, wie wir miteinander auskommen.
Freuen Sie sich nun mit mir auf den nächsten Post: Krebse, Camping, Katastrophen!

Welcome to Portland!


"Liebe Fluggäste des Fluges LH 160 nach Frankfurt, leider ist Ihre Maschine eben erst in Frankfurt losgeflogen. Deshalb verzögert sich der Abflug um etwa eine halbe Stunde. Bitte haben Sie Verständnis." - Lufthansa Bodenpersonal STR

"He, Sie da, bleiben Sie gefälligst stehen, was meinen Sie eigentlich, wer Sie sind, wo Sie hinzugehen haben, sage ich ich Ihnen und sonst niemand! So, und jetzt Schalter sechs, ja los, ich hab auch nicht den ganzen Tag Zeit!" - Garstige Frau vom Sicherheitspersonal FRA

"Liebe Fluggäste, weil Regenwasser in die Kabine eindringt, verzögert sich das Boarding leider auf unbestimmte Zeit. Wir, äh, unsere Techniker versuchen, das Problem zu lösen. Vielen Dank für Ihr Verständnis." - Bodenpersonal der Lufthansa in FRA, alle Passagiere warten schon am Flugzeugrüssel.

"Liebe Passagiere, leider müssen wir aus Sicherheitsgründen zwei Koffer suchen und wieder ausladen, weil die zugehörigen Passagiere nicht an Bord sind. Deshalb verzögert sich unser Abflug nochmals." Piloten-Ansage, das mittlerweile abgedichtete Flugzeug ist schon auf dem Weg zum Start.

Trotz allem habe ich es geschafft, dem engen Flugplan irgendwie nachzukommen, wobei ich allerdings etwa die gefühlte Hälfte der Flugstrecke wandernd auf dem Washingtoner Flughafen zurücklegen durfte. Und da saß ich nun, nach 20 Stunden unterwegs, mit zwei Koffern irgendwo in Portland, der unbekannten Stadt, in der ich mich nun 2 Wochen auf mein Auslandsjahr im unbekannten Land vorbereiten (lassen) sollte, und wartete auf Einlass ins Studentenwohnheim "Broadway Hall". Übrigens bin ich laut dem IQ-Test im United Airlines-Bordmagazin hochbegabt (mit 1 von 10 richtigen Antworten wäre ich allerdings auch schon "average")!
Zum Glück waren die anderen Austauschstudenten schon vorausgeflogen und hatten mir ein Stückweit die Bahn geebnet :).

Die folgenden Tage boten unter anderem viele Informationen über die Tücken der interkulturellen Verständigung, Tricks bei der Wohnungssuche und beim Autokauf, einen Praxis-Crashkurs "American Fastfood I-III: Burger, Sandwich, Mexican".

Portland ist eine unglaublich sympathische Stadt, sehr grün und irgendwie mit europäischem Flair. Toll: Straßenbahnen und Busse bringen einen kostenlos überall hin, auch zur örtlichen Mall - da wird man den gesparten Fahrpreis dafür umso schneller wieder los.
Der nächtliche Blick aus dem Restaurant im obersten Stockwerk eines Wolkenkratzers ist auch die 5 $ für ein Fläschchen "Miller Light" wert.
Apropos Bier: die Lieblingssorte unseres Special Program Assistants Oko nennt sich St. Pauli Girl und wird (angeblich) aus Bremen importiert.


Etwas beängstigend wirkt dagegen die Zeitung, die wir zwecks Herbergssuche studieren: Neben dem gut gemeinten tierärztlichen Rat: "Don't feed your pet with alcohol" wirbt der örtliche Gun Store mit Fotos von Männern in Flecktarn-Jagdanzügen, die schwer bewaffnet durch den Wald pirschen: "Get it now- then you have time to prepare". Wieso verkauft man Leuten, denen man offenbar zutraut, ihrem Hamster Whisky ins Trinkfläschchen zu füllen, großkalibrige Jagdwaffen? Die Antwort: "It's a fuckin' free country!"