Während die deutsche Studentenschaft noch fast einen Monat lang ihre Ferien genießen darf, habe ich gerade den letzten Abend vor Uni-Beginn und damit dem (relativen) Ernst des Lebens rumgebracht. Allerdings auf eine ganz angenehme Art und Weise:
Der Leiter des örtlichen German-Departments würde gerne die momentane deutsche Studentenschaft anheuern, um seine Konversationsgruppen mit Muttersprachlern auszustatten.
Das Hiwi-Vergabeverfahren kannte ich bislang etwa so: Entweder, man hat Connections oder es gibt einen Aushang mit (ständig besetzter oder unerreichbarer) Telefonnummer irgendwo am schwärzesten Brett im tiefsten Winkel.
Hier geht das offenbar anders: Es wurde die gesamte Corvallis-Crew zum Professor nach Hause eingeladen, wo dann nach einem äußerst schmackhaften mehrgängigen Abendessen (Hühner-Barbecue mit selbst gebackener Heidelbeer-Pie als Nachtisch und gehörig Bier) die nötigen Formalitäten besprochen wurden. Eine davon ist die Beantragung der Sozialversicherungsnummer. Dazu muss man nämlich nach Albany, in den Nachbarort, und zwar genau an das Ende, wo kein Bus hinfährt. Deswegen will uns der freundliche Professor eigens dort hin karren. Offenbar sind Native German Speakers eine sehr begehrte Spezies. Ich sollte mir fast überlegen, "Professional Native German Speaker" oder eine ähnlich gerichtete Karriere anzustreben...
Corvallis hat etwa 50.000 Einwohner. Warum man zu Fuß trotzdem gerne mal 3 Stunden hin und zurück unterwegs ist, weiß ich nun auch: Die Fläche ist aber riesig. Hier hat nämlich jeder sein eigenes Häuschen, so gut wie niemand lebt in einem Hochhaus. Damit auch wirklich alle in Corvallis sich so ein Häuschen leisten können, scheint das Haupt-Baumaterial der ostdeutschen Kraftfahrzeugbau entlehnt: Bis auf das Rathaus, das Gericht, die Uni und das County Jail sind alle Gebäude einfach aus Pappe.
Ich höre zum Beispiel, wenn ich im Bett liege, den Kühlschrank in der Küche drunter summen.
Offenbar hat man in Amerika aber keine Probleme mit hellhörigen Nachbarn. Ich war gestern nämlich auf einer College-Party in der Garage eines solchen Papp-Reihenhauses. Da wurde lautstark Beer Pong gespielt, und das geht so: Man nimmt eine Tischtennisplatte, wenn man nicht, so wie die Gastgeber, einen extra Beer Pong-Tisch hat. Dann stellt man Plastikbecher mit Bier auf jede Seite, und muss dann versuchen, mit einem Ball die Becher der Gegenseite zu treffen.
Ohhhh.... und ich hab jetzt ein Fahrrad! Das ist hier nicht leicht zu kriegen. Nach einem Telefongespräch und einer etwas großzügigen Angabe der Entfernung (Soll: 30 min, Ist: 2,5 Stunden) kam ich bei meinem ersten "bike appointment" an. Da waren die Verkäufer aber leider ausgeflogen... also wieder 2 Stunden zurück. Bei meinem nächsten Anruf war das Radl dann schon verkauft.
Ich hab ich nun ein altes Rennrad mit Oma-Lenker und Oma-Sattel. Da aber auch sowas hier anscheinend klaugefährdet ist, habe ich mir ein Schloss gekauft (das billigste, natürlich) und stolz meinen Neuerwerb vor der Uni angeschlossen. Dumm: Es handelte sich offenbar um ein Einmalschloss, denn es ging zwar zu, aber nicht mehr auf. So ging ich zum Baumarkt (zu Fuß) und kaufte mir eine Feile... man kann 10 Minuten mittags vor der Uni an einem Fahrradschloss rumsägen, und keiner sagt was! Ich musste dann nochmal teures Geld für ein neues Schloss bezahlen... aber ich bin endlich wieder mobil und frei! Und das ist schön.
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2 Kommentare:
vielleicht gibt's ja nach richtig amerikanischer Art einen Big-Pack: Kaufe 1, krieg 364 dazu ;-)
ICH WILL MEHR FOTOS!!!! ;)
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