Mittwoch, 31. Oktober 2007

Fanpost und Geschenke bitte an...



...folgende Adresse:

Felix Jeremias
835 SW 11th Street
Corvallis OR 97333

triple-bass@web.de

Ein Handy habe ich auch, und mittlerweile auch die endgültige Nummer:

(+1) 541 908 1054

Happy Halloween!

Sonntag, 28. Oktober 2007

Go we(s)t!


"Rafting, ist das die Angelegenheit, bei der man sich in einem kleinen Schlauchboot, das man sehr leicht zum Kentern bringen kann, auf einen Fluss mit ganz wilden Wellen begibt und es einfach mal drauf ankommen lässt, ob man unten ankommt?" - Anja G.

Was ich diesen Samstag getrieben habe, ist mit diesem Zitat einer Freundin eigentlich erschöpfend beschrieben. Doch der Reihe nach:

Es ist Oktober, fast schon November. Also so richtig Herbst. Da sitzt man daheim im Warmen, trinkt Tee und widmet sich hingebungsvoll seinen Studien. In die nasskalte und damit scheußliche Natur würde sich niemand freiwillig wagen. So habe ich auch die Einladung zum Uni-Rafting-Trip mit dem Gedanken "Sowas kannst du immer noch nächstes Jahr machen, wenn's wieder warm ist" ad acta gelegt. Als sich aber mehr und mehr Internationals anmeldeten, wollte ich mir nicht die Blöße geben und erlag dem Gruppenzwang.
So kam es, dass ich diesen Samstag um halb 9 im State Van in Richtung North Santiam River saß, und einem langen Tag mit ungewissem Ausgang entgegenfuhr.
Es wurde großartig.
Warm im Neoprenanzug verpackt, das Paddel fest in der Hand, schipperten wir, immer artig zu sechst auf einem Raft, den North Santiam River hinunter. Unter den Kommandos unseres Guides ("Forward" - "Stop" - "reverse" - "Go Go Go!") versuchten wir, das Gummigefährt durch wildes Rühren mit dem Paddel manövrierbar zu halten - natürlich waren nach einer Viertelstunde die meisten klatschnass, und wer noch zu trocken aussah, bekam eben einen ordentlichen Schwapp mit dem Paddel. An dieser Stelle hätte sich der Erfinder des Neoprens eigentlich eine Lobrede von mir verdient. Sich Ende Oktober im Wasser zu suhlen, nasszuspritzen, dabei auch richtig nass zu werden , aber nicht zu frieren, ist einfach toll.

Wer mich kennt, weiß, dass ich normalerweise in jedes Wasserbehältnis, das mir im Weg steht, hineinfalle, sei es Meer, Uniteich, Fluss oder Kuhtränke. Und ich muss leider gestehen, dass ich diesbezüglich auch meinem Ruf wieder alle Ehre gemacht habe, bei diversen Kollisionen mit Unter- und Überwasserfelsen als einziger ZWEI mal ins Wasser gefallen bin und unrühmlich wieder an Bord gehievt werden musste - die dicke Schwimmweste, eigentlich als Sicherheitsfeature gedacht, schränkt nämlich die Bewegungsfreiheit soweit ein, dass man (zumindest ich) sich nicht mehr aus eigener Kraft über den dicken Gummiwulst, der das rettende Floß begrenzt, hinüberziehen kann.
Dem geneigten Leser wird empfohlen, das Titelbild vergrößert zu betrachten und sein Augenmerk dabei auf den Inhalt des roten Kreises zu richten!
Dass die ganze Tour durch unberührten Urwald führte, teilweise noch in bunten Herbstfarben, dazwischen tiefgrüne Nadelbäume, machte natürlich noch mal einen ganz besonderen Reiz!

Die ganze Sache war einfach von vorn bis hinten eine Riesengaudi, und war das an diesem Samstag verpasste Footballspiel allemal wert!

Überhaupt wird Football überbewertet. Angeblich ist Football der Nationalsport der USA, gefolgt von Basketball und Baseball. Das stimmt nicht. Der Nationalsport Nr. 1 ist Tailgating, wobei diese Disziplin im Grunde allen Sportarten zugeordnet werden kann.
Das übliche Tailgating-Verfahren ist wie folgt: Man fährt in die nähere Umgebung eines Footballstadions. Da parkt man, öffnet die mit Fan-Aufklebern ("Beaver in the car - duck in the trunk") verzierte Heckklappe (engl. tailgate) seines Vehikels und packt den transportablen Grill und den Beavers-Bierkühler aus. Die strengen Alkoholregeln werden am gameday extra gelockert, und somit entfällt die sonst übliche 100$-Strafe für öffentliches Trinken.
So kann man ganz bequem auf dem Beavers-Gartenstuhl sitzen, und sich unter dem mit Cheerleader-Puscheln geschmückten orange-schwarzen Sonnen-(oder Regen-)schirm Bier und Steak schmecken lassen, ohne sich mühsam ins Stadion zwängen zu müssen - das Spiel an sich verfolgt man auf einem tragbaren Fernseher (manchmal).
Diese Einstellung zum Sport ist natürlich gewöhnungsbedürftig - aber irgendwie ehrlich. Mir persönlich sagt sie auf jeden Fall mehr zu als selber einem dummen Ball hinterherzurennen :).

Samstag abend habe ich zum ersten Mal ein Uni-Wohnheim (dorm) von innen gesehen. Ich fand es ziemlich schauderhaft, denn da wohnt man zu zweit in einem etwa 12 qm großen Kämmerlein, wobei das Stockbett in einem Nebenkabuff steht und die Sanitäranlagen sich auf einem Stockwerk befinden. Allerdings hat jeder Bewohner einen begehbaren Kleiderschrank. Ich persönlich finde diese Prioritätensetzung fragwürdig.
Allerdings hatten sich einige Bewohner von Sacket Hall anlässlich des bevorstehenden Halloween zusammengetan und sich alle Mühe gegeben, den Keller der Anstalt in eine Art Geisterbahn zu verwandeln, mit Schlachthof, grusligem Medizinversuchslabor und allerhand schaurigen Monstern, die hinter dafür eigens eingerichteten Ecken lauerten. Sonderlich gruselig war es zwar nicht, aber ich fand die liebevolle Ausgestaltung und die offensichtliche Mühe der Akteure wirklich bewundernswert!
In den kommenden Wochen stehen die midterms an. Diese Schikane zur Mitte des Terms (ha ha, wer hätts gedacht), hat wohl die Aufgabe, die Studenten bei der Stange zu halten - so etwas ist unvereinbar mit der deutschen (und ja, ich stehe dazu, auch meiner!) Vorstellung von Studententum! Zusammen mit den immer wieder abzugebenden Hausaufgaben und Protokollen sammelt sich da ein ganz beträchtliches Pensum an... und dem muss ich mich nun leider etwas widmen.
Ich wünsche allen Lesern meines Blogs eine gute Woche und einen schönen, trockenen Herbst (wenn doch nicht so trocken wie gedacht: Ihr örtliches Sportgeschäft berät Sie gern bei der Auswahl eines passenden Neoprenanzugs).

Montag, 15. Oktober 2007

Oh là là, willst du eine Pizza...

Nach 6 Wochen in Oregon und 4 Wochen in Corvallis, wird es vermutlich Zeit, der geneigten Leserschaft einen kleinen Eindruck vom alltäglichen Leben in den USA zu bereiten. Gleich vorweg: Auf meiner Fotoseite habe ich insbesondere von der Uni ein paar Bilder installiert.

Meine Wohnungswahl hat sich mittlerweile als genau richtig herausgestellt. Abby, die ältere Dame im Erdgeschoss und Leiterin der örtlichen Buddhistengemeinde, hat sich als viel relaxter und unstressiger herausgestellt, als ich je zu hoffen gewagt habe. Amber, meine zweite Mitbewohnerin, ist mittlerweile auch eingetroffen, sie studiert Agricultural Science und ist äußerst alternativ. Wir haben jetzt nur noch biologisch abbaubares Putzmittel und in der Küche einen "worm bin". Das ist eine Box, in der angebliche Würmer den Biomüll zu Kompost verarbeiten sollen. Noch funktioniert es aber nicht so recht, die Würmer sind irgendwie tot und alles schimmelt.
In der Uni gefällt es mir ausnehmend gut, die Kurse sind interessant, und bis auf einen Dozenten aus Oklahoma, der obendrein nuschelt, verstehe ich auch die meisten Profs. Mein Graduate-Research-Projekt macht mir viel Spaß, es geht dabei um die Entwicklung eines neuartigen Halbleiters für die Solarzellenproduktion.
Gestern habe ich eine wichtige Amtshandlung begangen: Die erste Pizza im neuen Heim wurde zubereitet. Die Konstanz-Crew weiß, dass das Pizzabacken im großen Kreis in einer kleinen Küche eine gewisse rituelle Bedeutung angenommen hat, und entsprechend ausgeprägt war mein Ehrgeiz, dem Rezept zum Erfolg zu verhelfen. Dabei gab es allerdings einige landestypische Klippen zu umschiffen. Hier eine kleine Auswahl:

- Mit Euronorm-Mehl Typ 405 gelingt eigentlich alles. Gibt's hier nicht. Um den Burgerbun immer von der garantiert gleichen Labberkonsistenz zu haben, wird amerikanisches Mehl grundsätzlich mit Chlor oder Stickoxiden gebleicht, also weiß gemacht, sterilisiert und sämtlicher Vitamine und Geschmacksstoffe beraubt, bevor es anschließend mit synthetischen Zusätzen wieder essbar gemacht werden soll. Dieses "Enriched Bleached Flour" stellt neben Fett und Zucker die Grundzutat der meisten industriell hergestellten US-Produkte dar. Wer normales Backmehl will, muss auf Spezialgeschäfte ausweichen. Da aus juristischen Gründen (Allergikerklage => Firmenpleite) aber selbst dieses Mehl grundsätzlich glutenfrei ist, muss mühevoll extra gekauftes Gluten zugemischt werden, um das Mehl backfähig zu bekommen. Nachdem mich Abby in diese raffinierte Prozedur eingeweiht hatte, stand ich vor dem nächsten Problem:

- Hefe: Ist hier unüblich, in der Regel wird Backpulver verwendet. Auf Nachfrage gibt es im letzten Eck, im letzten Regal gepulverte Instanthefe. Dass man sie NICHT so wie frische Hefe verwenden kann, weiß ich jetzt...

- "Tomatenschlonz": Freude: Gibt es hier auch! Es ist zwar etwas mehr Wasser drin als gewohnt, aber dafür lacht einem nach Öffnen der Dose wenigstens ein gesundes Signalrot entgegen.

- Salami: not available

- Ofen: Hat man die genannten Klippen umschifft, kommt sozusagen der Endgegner: THE OVEN. Ein gigantisches Monstrum, in dem man einen Elch am Spieß braten könnte, darüber eine Bedienkonsole, die der meines NMR-Geräts in der Uni kaum nachsteht, Neil Armstrong ist mit weniger Elektronik zum Mond geflogen. Ob diese Anlage mit Strom, Gas oder Plutonium beheizt wird, hat sich mir zwar nicht erschlossen, dafür wüsste ich gerne eines: Wenn jemand es für nötig hält, ein mikroprozessorgesteurtes Kochgerät zu produzieren und zu programmieren, warum baut er dann kein Knöpfchen mit ein, mit dem man von Fahrenheit auf Celsius umstellen kann?
Jedenfalls heizt das Mistding nur einmal hoch, und zwar von unten. Deswegen ist die Gefahr groß, am Schluss rohen Belag auf einem Kohlefladen zu haben. Zum Glück bemerkten wir die Gefahr (soll heißen, den Rauch) rechtzeitig, und das Backerlebnis wurde doch noch von Erfolg gekrönt.
Morgen hab ich wieder Conversation Class, Thema: Die Kunst des Bierbrauens! Bisher habe ich mich eher in der Kunst des Biertrinkens geübt...
Wenn ihr mögt, schaut euch die neuen Bilder an! In den Blog darf ich heute keine hochladen... technischer Fehler.

Montag, 8. Oktober 2007

Political Incorrectness


Als ich heute artig über meinen Büchern saß, um dem mittlerweile in vollem Gange befindlichen Uni-Alltag wieder die Stirn bieten zu können, traute ich auf einmal meinen Augen nicht. Mein amerikanisches Elektronik- Lehrbuch empfiehlt auf Seite 4 nebenstehenden Merkspruch für die Farbcodes von Widerständen (bitte draufklicken zum Vergrößern).
Wer von den geneigten Lesern Student der Uni Konstanz ist, kennt den Flyerkrieg, den der Frauenrechts-Verband regelmäßig in der Mensa anzettelt - aus WEITAUS geringeren Anlässen.
Dass hier, in Prüdistan, im Heimatland der Fettnäpfchen und der indirekten Sprache, so ein doch eher fragwürdiger Spruch den Weg in ein Lehrbuch, das laut Klappentext vornehmlich zur Unterrichtung von "junior and senior undergraduates" geeignet sein will, findet, erscheint mir etwas kontrovers.
Ich muss zwar zugeben, dass die Sprüche, mit denen ich mir im ersten Semester das Periodensystem eingepaukt habe, auch alles andere als jugendfrei oder stubenrein waren - aber den Mut, sie in einem Buch zu drucken, hatte ich dann doch nicht.
Aber wenn sich eine der weiblichen Leserinnen meines Blogs angegriffen oder belästigt fühlen sollte: Nur Mut, wir verklagen Allyn&Bacon, den Verlag!
Das ist nämlich das zweite Thema, das mich heute beschäftigt. Der "Oregonian", die örtliche Tageszeitung, hat nämlich mal wieder eine ganzseitige(!) Anzeige verkauft:
"Haben Sie nach Einnahme von Fergosil, Bubaphlon oder Tannamit der Firma Curefix Krebs bekommen? Handeln Sie jetzt und verklagen sie Curefix mit sachkundiger Hilfe von Kanzlei Insolent & Greedy".
Warum Rechtsanwälte hier moralisch auf eine ähnliche Stufe mit Gebrauchtwagenhändlern gestellt werden, ist mir jetzt klar.
Übrigens, die Welt ist, laut "Oregonian", eher einfach aufgebaut: Es gibt ein Land (USA) mit einem Bundesstaat (Oregon), und der hat eine Stadt (Portland). Aus irgendeinem Grund gibt es aber trotzdem noch eine Seite "The World". Davon sind 4/5 Werbung ("Gehirntumor? Kommen Sie ins Holy-Beaver-Hospital: Neuartige Therapie billiger als Operation!") sodass noch Platz für einen (!!!) Artikel ist: "Affen-Unterart im peruanischen Dschungel entdeckt". Aber wenigstens weiß ich über die neue Mülltonnennorm in Gresham Bescheid.

Ich habe heute was ganz schlimmes gemacht. Ich bin zu BurgerKing gegangen und habe mir mit einem 2for1 Gutschein aus dem "Oregonian" 2 MegaCrunchyXtraBaconMonsterStacker (oder so ähnlich) geholt. Der Aufbau von unten nach oben: Labberfladen, Fleisch, Käse, Speck, Fleisch, Käse, Speck, Mayo, Gurke, Labberfladen. Wenn man von dem "Brot", das wirklich eine durch nichts zu entschuldigende Verrgewaltigung sämtlicher Backzutaten darstellt, absieht, schmeckt das Ganze nicht mal schlecht. Das blöde daran: Nach 1400 kcal habe ich mich irgendwie voll gefühlt, aber satt war ich nicht. So musste dann noch eine Ladung Süsskram hinterher. SO wird man fett! Doch ich verbuche das Ganze als wissenschaftliches Experiment, werde morgen mein Gutscheinheft an Bedürftige verschenken (vielleicht), und von nun an in redlicher Bescheidenheit von Dinkelkeimen leben.

PS: Liest eigentlich überhaupt jemand meine Ergüsse? Mein Narzissmus verlangt nach mehr K O M M E N T A R E N!
PPS: Ich habe gerade die S P E R R S C H R I F T für mich entdeckt und finde sie ganz arg T O L L!

Endlich mehr Fotos!

Von zahlreichen Seiten ward ich gescholten, man wollte mehr Bilder sehen als eins pro Post! Deswegen habe ich nun eine Foto-Seite gelegt: unter http://feliceindenusa.myphotoalbum.com gibt es GANZ VIELE, handverlesene Bilder aus dem großen Land im Westen!
Ansonsten gibt es gerade nicht viel Neues. Die Uni nimmt mich ziemlich in Beschlag, vermutlich muss ich mich jetzt dort mal ernsthaft engagieren... man kann halt nicht immer an blauen Seen spazierenfahren!