Donnerstag, 13. Dezember 2007

Viva España!

Die Finals sind vorbei und zum grössten Teil bislang durchaus erfolgreich verlaufen! Felice hat sich zum Jet-Set aufgeschwungen und für zwei Wochen nach Madrid begeben, um Kathrin zu besuchen!
Den Blog schicke ich deswegen für zwei Wochen in den Winterschlaf, und wünsche allen Lesern

F R O H E W E I H N A C H T E N!

Für Silvester ist dann ein Trip nach San Francisco geplant - alles Lesenswerte über die vielbesungene Westküstenmetropole gibt es dann im neuen Jahr an dieser Stelle!

Noch ein kleiner Nachtrag: Fotos von der Spanientour gibt es in Kürze auf der Fotoseite (siehe "Links")!

10. 01. 07: Kommentierte Fotos sind jetzt online!

Dienstag, 27. November 2007

Schlaflos in Seattle (und anderswo)


Vergangenen Donnerstag war Thanksgiving. An Thanksgiving machen die Amerikaner Folgendes: Sie nehmen sich für den Rest der Woche frei (neben Weihnachten das einzige Datum, an dem die Supermarktkette Safeway geschlossen hat), fahren zu ihrer Famile, essen Unmengen an Pumpkin Pie und Truthahn, betrinken sich später, essen noch mehr, und fahren irgendwann wieder heim.

Soweit die klischeebehaftete Theorie. Wer jetzt erwartet, einen unverfälschten Einblick in das wahre amerikanische Thanksgiving zu erhalten, den muss ich leider enttäuschen. Ich war an Thanksgiving nämlich außer Landes, und zwar in KANADA.

Am Mittwoch abend, so etwa um zehn, klingelte meine Telefon: "He Felix, hast du zufällig einen Wagenheber?"
Pornovanbesitzer Phillip hatte einen schlappen Reifen an seinem Gefährt entdeckt, und da alle Autowerkstätten in Vorbereitung auf Thanksgiving schon ihre Pforten geschlossen hatten, mussten wir uns selber helfen.
Immerhin haben wir gelernt, dass es keine gute Idee ist, am Hang und mit nur mäßig wirksamer Handbremse einen kleinen Toyota-Wagenheber mit dem Gewicht eines amerikanischen Fullsize-Vans zu belasten, jetzt müssen wir nämlich einen neuen kaufen (also, einen neuen Wagenheber).
Die drei anwesenden Ingenieure kriegten das Gefährt aber trotzdem flott, und so konnten wir am nächsten Morgen gen Norden nach Kanada aufbrechen!
Die Fahrt verlief aus mehreren Gründen unglaublich angenehm, mit einem kleinen Dämpfer: An Thanksgiving hat ALLES zu, also auch so gut wie alle amerikanischen Autobahn-Fress-Hütten, sodass wir nach zahllosen Fehlversuchen an allen Food Exits entlang des I-5, schließlich in einem Etablissement namens Debby's landeten. Da bekommt man das Essen (stinknormales, amerikaübliches Presshuhn zwischen Pappfladen) an den Tisch gebracht, allerdings zahlt man ungefähr das doppelte wie bei der (leider geschlossenen) Konkurrenz.
Dafür haben wir eine wichtige Lektion gelernt: Im Staat Washington ist es illegal, aus gebrauchten Gläsern zu trinken, selbstredend auch dann, wenn es sich um den eigenen Becher handelt. "It's against the law...", mit diesen Worten leitete Kellnerin Shan (oder so) eine Schmährede ein, als der arme Thomas sein Glas am Zapfhahn wieder auffüllen wollte ("Free Refill" ist eigentlich in allen amerikanischen Lokalen gang und gebe).

Nach den überraschend unstressigen Grenzformalitäten fielen wir wenig später nach Kanada ein!
Von Vancouver bekamen wir am ersten Abend aufgrund unserer späten Abfahrt und infolgedessen noch späteren Ankunft nicht mehr viel zu sehen. Unser Hostel war ziemlich schäbig, und lag in einem eher nicht so vornehmen Teil von Chinatown. In unmittelbarer Nachbarschaft befand sich ein sogenannter "Dollar Meat Store", ein unglaublich verdrecktes Loch, in dem Schweinebeine ohne Kühlung von der Decke baumelten und dreckige Lappen und Ekelschlonz den Boden bedeckten, vom Geruch ganz zu schweigen. Trotzdem hat dieses Etablissement seine Kunden, wie wir am nächsten Morgen feststellen durften. Ich habe mich in Vancouver mit Freuden vegan ernährt.
In Kanada gibt es selbst Bier nur im Liquor Store, zum Schnäppchenpreis von 12$ aufwärts pro Sixpack. So wichen wir auf Wodka aus ("In Kanda muss man den guten Wodka trinken, den billigen gibt es nämlich nicht", P.), damit ließ sich der Abend dann so einigermaßen überstehen...
Nachdem das erste Feier-Etablissement einen Eintrittspreis von saftigen 70 Dollar verlangte, lehnten wir dankend ab und gingen über die Straße - die 10 Dollar Eintritt im Schuppen gegenüber erschienen uns schließlich wie ein Schnäppchen! Nach einer Stunde Wartens in der Kälte stellte sich dann allerdings heraus, dass dazu pro Person nochmal 60 Dollar Bestechungsgeld für den Bouncer kamen - und adé.
Schließlich kamen wir im "Roxy" unter, einem Rock-Laden, der seinem Ulmer Pendant nichtmal unähnlich ist, sogar mit Lifeband und einigermaßen bezahlbarem Bier.

Am nächsten Tag ging es in die Stadt! Vancouver liegt unglaublich idyllisch, auf der einen Seite ein tiefblauer Meerarm, auf dem der Schwerverkehr abgewickelt wird und gleichzeitig die Wasserflugzeuge der besser gestellten Schichten (die, die nicht die Kippen von der Straße rauchen) starten und landen, auf der anderen Seite "Grouse Mountain", der Hausberg Vancouvers.
Auf einer Baustelle direkt am Wasser trafen wir zwei deutsche Gast-Bauarbeiter, und unterhielten uns ein wenig mit ihnen: "Wie lang seid ihr schon hier?" "Zwei Monate!" "Und wie lange wollt ihr bleiben?" "Für immer!"
Ganz so enthusiastisch waren wir zwar nicht, aber der Blick vom Grouse Mountain auf das Stadtpanorama war unglaublich schön!
Am nächsten Tag ging es, nach stundenlangem Warten bei der Wiedereinreise, dann weiter nach Seattle!
Und die Heimatstadt von Kurt Cobain und Jimi Hendrix, Microsoft, Amazon.com, Starbucks und Boeing schlägt bislang alle (okay, das sind zugegebenermaßen bislang nicht so viele) amerikanischen Städte, die ich bislang kenne.
Wir hatten mal wieder unverschämtes Wetterglück, und weil unser (unglaublich nettes) Hostel direkt am Markt lag, wo es fangfrischen Fisch gab - nix da mit Tiefkühlpressling!-, war auch endlich wieder für einigermaßen ausgewogene Ernährung gesorgt. Mit vollem Bauch die steilen Avenues Seattles entlangzustapfen, macht unglaublichen Spaß! Die Sonne scheint, und die Luft ist trotz Großstadt unglaublich frisch: Es gibt wenig Autos, der meiste Verkehr wird mit lustigen Elektrobussen, die sogar nachts fahren, bewerkstelligt, und die ganze Zeit weht eine stetige Brise vom Meer.

Leider hatte der Columbia Tower, das höchste Gebäude an der Westküste der USA, wochenends geschlossen. So setzten wir uns in die Monorail, die seit der Weltausstellung 1962 ihren klapprigen Dienst versieht, und fuhren zum Experience Music Project. In einem futuristisch anmutenden Gebäude untergebracht, bietet diese Ausstellung dem Besucher nicht nur eine riesige Sammlung an Musikinstrumenten, von der antiken Lyra über die Trichtergitarre bis hin zum aus einem Aluminiumklumpen gefrästen Zwölfsaiter-Bass. Man kann nämlich auch auf zahllosen Gitarren, Keyboards und Drumsets herumspielen, soviel das Herz begehrt!
Jetzt ist es schon voll spät, und ich mag noch kurz vom Flugzeugmuseum erzählen. Auf dem Originalgelände von Boeing, gruppiert um die erste Holzscheune der Flugzeugschmiede, steht die riesigste Sammlung an Fluggerät, die ich bislang gesehen habe - vom ersten Segelflieger aus Bambus und Leinen bis hin zum mit 4000 km/h schnellsten Flugzeug der Welt. Toll: Es stehen einige alte Kleinflugzeuge herum, in die man sich reinsetzen kann und dann an allen Geräten, Hebeln und Klappen herumfuhrwerken. Die Ausstellung hat mir großen Spaß gemacht, und ich kann sie nur weiterempfehlen!
Doch auch der schönste Tag ist irgendwann zuende, und da am Montag wieder Uni anstand, ging's des Nächtens zurück nach Oregon.
Und ein bisschen Thanksgiving hatte ich auch: die gute Abby hatte mir vorrauschauend ein bisschen Pumpkin Pie aufgehoben. :)

Dienstag, 13. November 2007

NBA - White men can't jump


Mein Austausch-Kollege hat sich ein Auto gekauft. Eigentlich wäre das endlich ein Anlass, um einmal zum Rundumschlag gegen die amerikanische Mobilität auszuholen. Leider ist mir damit schon jemand zuvorgekommen, und deswegen empfehle ich an dieser Stelle wärmstens folgenden Blog-Artikel, der mir zutiefst aus der Seele spricht:
http://johannes.ist-dein-freund.de/2007/09/18/autos/
Auf jeden Fall ist Phillip nun stolzer Besitzer des sogenannten Porno-Van. Wie kommt es zu diesem Namen? Das uralte Gefährt ist riesengroß, etwa so wie ein VW-Bus, innen mit riesig breiten Einzelsitzen ausgestattet, die üppig mit pinkem Plüsch überzogen sind. Dazu kommt die aus vielen kleinen, in diversen Zierleisten verborgenen Lämpchen bestehende Innenbeleuchtung. Die angespaxten Windleit-Profile fallen zwar ab, der Kühler leckt und der Sechsliter-Motor genehmigt sich 20l/100km, aber dafür ist man sehr gehoben unterwegs!
Um das Gefährt standesgemäß einzuweihen, haben wir uns am Wochenende auf eine Fahrt nach Portland gemacht. Im Rose-Gardens-Basketballstadion traten die Portland Trail Blazers gegen die Dallas Mavericks an - mit auf dem Feld: Dirk DÖRK Nowitzki, meines Wissens nach zur Zeit der einzige Deutsche in der NBA (und nebenbei der einzige Weiße seines Teams).
Nach Ankunft in Portland, einnehmen unseres 13-Dollar-Parkplatzes und einer kurzen, aber intensiven Fresstour per Straßenbahn drängelten wir uns in die Halle:
Amphitheaterartig türmen sich die Sitze an den Seiten, und ganz weit unten hampeln ein paar kleine Männchen über ein überraschend leer aussehendes Feld. Dass allesamt Riesen im Vergleich zum Durchschnittsamerikaner sind, war aber selbst von den entferntesten Plätzen zu bemerken.
Ein NBA-Spiel dauert 4*12=48 Minuten. Vom Anpfiff bis zum Endergebnis vergehen aber allermindestens zwei Stunden. Der Grund: Die zahlreichen Timeouts! Sobald ein Trainer den Wunsch danach äußert, läuft das umfangreiche Rahmenprogramm an: zusätzlich zur dauerhaft flimmernden Bandenwerbung (Rundum-Bildschirm, natürlich) wird auf dem Haupt-Videowürfel allerhand Unsinn eingeblendet: Opa Charles gratuliert Enkel Timothy zum achten Geburtstag, Colonel Jeff Walters meldet sich aus dem Irak und erklärt, wie gerne er jetzt dabei wäre, und natürlich Werbung, Werbung, Werbung. US-Profisport ist, glaube ich, die größte Kommerzveranstaltung weltweit. Jeder freie Quadratmeter ist mit Firmenlogos, oder schlimmer, dauernd wechselnden Bildschirmen zugepflastert, die um die Gunst des Kunden buhlen, während ein kleines Luftschiff in Auto-Form durch die Halle schwebt und Probefahrtgutscheine über den teuren Plätzen abwirft.
Gleichzeitig entert ein US-Army-Team das Basketballfeld und versucht, mit ziemlich albern anmutenden Hampeleien den unbedarften Zuschauer zu beeindrucken und so letzten Endes zu den Waffen zu pressen. Gekrönt und umrahmt wird der ganze Zirkus von der immerwährend dudelnden Stadionorgel und zahlreichen Cheerleadern, die ebenfalls während Spielpausen und Timeouts die Hüften schwingen.
Trotz der zahlreichen deutschen Unterstützung im Publikum hat sich Dörk nicht gerade mit Ruhm bekleckert und verlor ziemlich deutlich gegen die schlechteste Mannschaft der letzten Saison.
Irgendwann waren aber die 48 Spielminuten um, alle Werbung abgeflimmert und die letzte Ladung Plastiklametta verschossen. Unter der lakonischen Meldung des Videowürfels ("Blaizers Win") verlässt man das Stadion.
Draußen gab es erstmal ein Wiedersehen mit der restlichen Austauschgruppe, denn zum Dörk-Gucken hatte sich das ganze BW-Programm in Portland zusammengefunden.
Der restliche Abend endete in einem etwas seltsamen Club: Während auf dem oberen, durch weiße Schleier abgetrennten VIP-Level ein Sektkühler nach dem anderen verschwand, konnte man unten vom Klo aus die Tanzfläche beobachten: ein venezianischer Spiegel auf Augenhöhe machts möglich.
Heute ist Dienstag, und die Uni hat mich wieder. Trotz absolvierter Midterms gibt es nach wie vor genug zu tun, aber die Arbeit macht viel Spaß (Nächte ergebnisloser Fehlersuche im Excel-Sheet ausgenommen)!
Was den Pornovan anlangt: der hat seinen nächsten Einsatz an Thanksgiving und soll auf einem Roadtrip nach Vancouver seinen Anteil zum Klimawandel leisten.



Viele Bilder und die ein oder andere Anekdote gibt es natürlich auf meiner Fotoseite (siehe Links)!

Mittwoch, 31. Oktober 2007

Fanpost und Geschenke bitte an...



...folgende Adresse:

Felix Jeremias
835 SW 11th Street
Corvallis OR 97333

triple-bass@web.de

Ein Handy habe ich auch, und mittlerweile auch die endgültige Nummer:

(+1) 541 908 1054

Happy Halloween!

Sonntag, 28. Oktober 2007

Go we(s)t!


"Rafting, ist das die Angelegenheit, bei der man sich in einem kleinen Schlauchboot, das man sehr leicht zum Kentern bringen kann, auf einen Fluss mit ganz wilden Wellen begibt und es einfach mal drauf ankommen lässt, ob man unten ankommt?" - Anja G.

Was ich diesen Samstag getrieben habe, ist mit diesem Zitat einer Freundin eigentlich erschöpfend beschrieben. Doch der Reihe nach:

Es ist Oktober, fast schon November. Also so richtig Herbst. Da sitzt man daheim im Warmen, trinkt Tee und widmet sich hingebungsvoll seinen Studien. In die nasskalte und damit scheußliche Natur würde sich niemand freiwillig wagen. So habe ich auch die Einladung zum Uni-Rafting-Trip mit dem Gedanken "Sowas kannst du immer noch nächstes Jahr machen, wenn's wieder warm ist" ad acta gelegt. Als sich aber mehr und mehr Internationals anmeldeten, wollte ich mir nicht die Blöße geben und erlag dem Gruppenzwang.
So kam es, dass ich diesen Samstag um halb 9 im State Van in Richtung North Santiam River saß, und einem langen Tag mit ungewissem Ausgang entgegenfuhr.
Es wurde großartig.
Warm im Neoprenanzug verpackt, das Paddel fest in der Hand, schipperten wir, immer artig zu sechst auf einem Raft, den North Santiam River hinunter. Unter den Kommandos unseres Guides ("Forward" - "Stop" - "reverse" - "Go Go Go!") versuchten wir, das Gummigefährt durch wildes Rühren mit dem Paddel manövrierbar zu halten - natürlich waren nach einer Viertelstunde die meisten klatschnass, und wer noch zu trocken aussah, bekam eben einen ordentlichen Schwapp mit dem Paddel. An dieser Stelle hätte sich der Erfinder des Neoprens eigentlich eine Lobrede von mir verdient. Sich Ende Oktober im Wasser zu suhlen, nasszuspritzen, dabei auch richtig nass zu werden , aber nicht zu frieren, ist einfach toll.

Wer mich kennt, weiß, dass ich normalerweise in jedes Wasserbehältnis, das mir im Weg steht, hineinfalle, sei es Meer, Uniteich, Fluss oder Kuhtränke. Und ich muss leider gestehen, dass ich diesbezüglich auch meinem Ruf wieder alle Ehre gemacht habe, bei diversen Kollisionen mit Unter- und Überwasserfelsen als einziger ZWEI mal ins Wasser gefallen bin und unrühmlich wieder an Bord gehievt werden musste - die dicke Schwimmweste, eigentlich als Sicherheitsfeature gedacht, schränkt nämlich die Bewegungsfreiheit soweit ein, dass man (zumindest ich) sich nicht mehr aus eigener Kraft über den dicken Gummiwulst, der das rettende Floß begrenzt, hinüberziehen kann.
Dem geneigten Leser wird empfohlen, das Titelbild vergrößert zu betrachten und sein Augenmerk dabei auf den Inhalt des roten Kreises zu richten!
Dass die ganze Tour durch unberührten Urwald führte, teilweise noch in bunten Herbstfarben, dazwischen tiefgrüne Nadelbäume, machte natürlich noch mal einen ganz besonderen Reiz!

Die ganze Sache war einfach von vorn bis hinten eine Riesengaudi, und war das an diesem Samstag verpasste Footballspiel allemal wert!

Überhaupt wird Football überbewertet. Angeblich ist Football der Nationalsport der USA, gefolgt von Basketball und Baseball. Das stimmt nicht. Der Nationalsport Nr. 1 ist Tailgating, wobei diese Disziplin im Grunde allen Sportarten zugeordnet werden kann.
Das übliche Tailgating-Verfahren ist wie folgt: Man fährt in die nähere Umgebung eines Footballstadions. Da parkt man, öffnet die mit Fan-Aufklebern ("Beaver in the car - duck in the trunk") verzierte Heckklappe (engl. tailgate) seines Vehikels und packt den transportablen Grill und den Beavers-Bierkühler aus. Die strengen Alkoholregeln werden am gameday extra gelockert, und somit entfällt die sonst übliche 100$-Strafe für öffentliches Trinken.
So kann man ganz bequem auf dem Beavers-Gartenstuhl sitzen, und sich unter dem mit Cheerleader-Puscheln geschmückten orange-schwarzen Sonnen-(oder Regen-)schirm Bier und Steak schmecken lassen, ohne sich mühsam ins Stadion zwängen zu müssen - das Spiel an sich verfolgt man auf einem tragbaren Fernseher (manchmal).
Diese Einstellung zum Sport ist natürlich gewöhnungsbedürftig - aber irgendwie ehrlich. Mir persönlich sagt sie auf jeden Fall mehr zu als selber einem dummen Ball hinterherzurennen :).

Samstag abend habe ich zum ersten Mal ein Uni-Wohnheim (dorm) von innen gesehen. Ich fand es ziemlich schauderhaft, denn da wohnt man zu zweit in einem etwa 12 qm großen Kämmerlein, wobei das Stockbett in einem Nebenkabuff steht und die Sanitäranlagen sich auf einem Stockwerk befinden. Allerdings hat jeder Bewohner einen begehbaren Kleiderschrank. Ich persönlich finde diese Prioritätensetzung fragwürdig.
Allerdings hatten sich einige Bewohner von Sacket Hall anlässlich des bevorstehenden Halloween zusammengetan und sich alle Mühe gegeben, den Keller der Anstalt in eine Art Geisterbahn zu verwandeln, mit Schlachthof, grusligem Medizinversuchslabor und allerhand schaurigen Monstern, die hinter dafür eigens eingerichteten Ecken lauerten. Sonderlich gruselig war es zwar nicht, aber ich fand die liebevolle Ausgestaltung und die offensichtliche Mühe der Akteure wirklich bewundernswert!
In den kommenden Wochen stehen die midterms an. Diese Schikane zur Mitte des Terms (ha ha, wer hätts gedacht), hat wohl die Aufgabe, die Studenten bei der Stange zu halten - so etwas ist unvereinbar mit der deutschen (und ja, ich stehe dazu, auch meiner!) Vorstellung von Studententum! Zusammen mit den immer wieder abzugebenden Hausaufgaben und Protokollen sammelt sich da ein ganz beträchtliches Pensum an... und dem muss ich mich nun leider etwas widmen.
Ich wünsche allen Lesern meines Blogs eine gute Woche und einen schönen, trockenen Herbst (wenn doch nicht so trocken wie gedacht: Ihr örtliches Sportgeschäft berät Sie gern bei der Auswahl eines passenden Neoprenanzugs).

Montag, 15. Oktober 2007

Oh là là, willst du eine Pizza...

Nach 6 Wochen in Oregon und 4 Wochen in Corvallis, wird es vermutlich Zeit, der geneigten Leserschaft einen kleinen Eindruck vom alltäglichen Leben in den USA zu bereiten. Gleich vorweg: Auf meiner Fotoseite habe ich insbesondere von der Uni ein paar Bilder installiert.

Meine Wohnungswahl hat sich mittlerweile als genau richtig herausgestellt. Abby, die ältere Dame im Erdgeschoss und Leiterin der örtlichen Buddhistengemeinde, hat sich als viel relaxter und unstressiger herausgestellt, als ich je zu hoffen gewagt habe. Amber, meine zweite Mitbewohnerin, ist mittlerweile auch eingetroffen, sie studiert Agricultural Science und ist äußerst alternativ. Wir haben jetzt nur noch biologisch abbaubares Putzmittel und in der Küche einen "worm bin". Das ist eine Box, in der angebliche Würmer den Biomüll zu Kompost verarbeiten sollen. Noch funktioniert es aber nicht so recht, die Würmer sind irgendwie tot und alles schimmelt.
In der Uni gefällt es mir ausnehmend gut, die Kurse sind interessant, und bis auf einen Dozenten aus Oklahoma, der obendrein nuschelt, verstehe ich auch die meisten Profs. Mein Graduate-Research-Projekt macht mir viel Spaß, es geht dabei um die Entwicklung eines neuartigen Halbleiters für die Solarzellenproduktion.
Gestern habe ich eine wichtige Amtshandlung begangen: Die erste Pizza im neuen Heim wurde zubereitet. Die Konstanz-Crew weiß, dass das Pizzabacken im großen Kreis in einer kleinen Küche eine gewisse rituelle Bedeutung angenommen hat, und entsprechend ausgeprägt war mein Ehrgeiz, dem Rezept zum Erfolg zu verhelfen. Dabei gab es allerdings einige landestypische Klippen zu umschiffen. Hier eine kleine Auswahl:

- Mit Euronorm-Mehl Typ 405 gelingt eigentlich alles. Gibt's hier nicht. Um den Burgerbun immer von der garantiert gleichen Labberkonsistenz zu haben, wird amerikanisches Mehl grundsätzlich mit Chlor oder Stickoxiden gebleicht, also weiß gemacht, sterilisiert und sämtlicher Vitamine und Geschmacksstoffe beraubt, bevor es anschließend mit synthetischen Zusätzen wieder essbar gemacht werden soll. Dieses "Enriched Bleached Flour" stellt neben Fett und Zucker die Grundzutat der meisten industriell hergestellten US-Produkte dar. Wer normales Backmehl will, muss auf Spezialgeschäfte ausweichen. Da aus juristischen Gründen (Allergikerklage => Firmenpleite) aber selbst dieses Mehl grundsätzlich glutenfrei ist, muss mühevoll extra gekauftes Gluten zugemischt werden, um das Mehl backfähig zu bekommen. Nachdem mich Abby in diese raffinierte Prozedur eingeweiht hatte, stand ich vor dem nächsten Problem:

- Hefe: Ist hier unüblich, in der Regel wird Backpulver verwendet. Auf Nachfrage gibt es im letzten Eck, im letzten Regal gepulverte Instanthefe. Dass man sie NICHT so wie frische Hefe verwenden kann, weiß ich jetzt...

- "Tomatenschlonz": Freude: Gibt es hier auch! Es ist zwar etwas mehr Wasser drin als gewohnt, aber dafür lacht einem nach Öffnen der Dose wenigstens ein gesundes Signalrot entgegen.

- Salami: not available

- Ofen: Hat man die genannten Klippen umschifft, kommt sozusagen der Endgegner: THE OVEN. Ein gigantisches Monstrum, in dem man einen Elch am Spieß braten könnte, darüber eine Bedienkonsole, die der meines NMR-Geräts in der Uni kaum nachsteht, Neil Armstrong ist mit weniger Elektronik zum Mond geflogen. Ob diese Anlage mit Strom, Gas oder Plutonium beheizt wird, hat sich mir zwar nicht erschlossen, dafür wüsste ich gerne eines: Wenn jemand es für nötig hält, ein mikroprozessorgesteurtes Kochgerät zu produzieren und zu programmieren, warum baut er dann kein Knöpfchen mit ein, mit dem man von Fahrenheit auf Celsius umstellen kann?
Jedenfalls heizt das Mistding nur einmal hoch, und zwar von unten. Deswegen ist die Gefahr groß, am Schluss rohen Belag auf einem Kohlefladen zu haben. Zum Glück bemerkten wir die Gefahr (soll heißen, den Rauch) rechtzeitig, und das Backerlebnis wurde doch noch von Erfolg gekrönt.
Morgen hab ich wieder Conversation Class, Thema: Die Kunst des Bierbrauens! Bisher habe ich mich eher in der Kunst des Biertrinkens geübt...
Wenn ihr mögt, schaut euch die neuen Bilder an! In den Blog darf ich heute keine hochladen... technischer Fehler.

Montag, 8. Oktober 2007

Political Incorrectness


Als ich heute artig über meinen Büchern saß, um dem mittlerweile in vollem Gange befindlichen Uni-Alltag wieder die Stirn bieten zu können, traute ich auf einmal meinen Augen nicht. Mein amerikanisches Elektronik- Lehrbuch empfiehlt auf Seite 4 nebenstehenden Merkspruch für die Farbcodes von Widerständen (bitte draufklicken zum Vergrößern).
Wer von den geneigten Lesern Student der Uni Konstanz ist, kennt den Flyerkrieg, den der Frauenrechts-Verband regelmäßig in der Mensa anzettelt - aus WEITAUS geringeren Anlässen.
Dass hier, in Prüdistan, im Heimatland der Fettnäpfchen und der indirekten Sprache, so ein doch eher fragwürdiger Spruch den Weg in ein Lehrbuch, das laut Klappentext vornehmlich zur Unterrichtung von "junior and senior undergraduates" geeignet sein will, findet, erscheint mir etwas kontrovers.
Ich muss zwar zugeben, dass die Sprüche, mit denen ich mir im ersten Semester das Periodensystem eingepaukt habe, auch alles andere als jugendfrei oder stubenrein waren - aber den Mut, sie in einem Buch zu drucken, hatte ich dann doch nicht.
Aber wenn sich eine der weiblichen Leserinnen meines Blogs angegriffen oder belästigt fühlen sollte: Nur Mut, wir verklagen Allyn&Bacon, den Verlag!
Das ist nämlich das zweite Thema, das mich heute beschäftigt. Der "Oregonian", die örtliche Tageszeitung, hat nämlich mal wieder eine ganzseitige(!) Anzeige verkauft:
"Haben Sie nach Einnahme von Fergosil, Bubaphlon oder Tannamit der Firma Curefix Krebs bekommen? Handeln Sie jetzt und verklagen sie Curefix mit sachkundiger Hilfe von Kanzlei Insolent & Greedy".
Warum Rechtsanwälte hier moralisch auf eine ähnliche Stufe mit Gebrauchtwagenhändlern gestellt werden, ist mir jetzt klar.
Übrigens, die Welt ist, laut "Oregonian", eher einfach aufgebaut: Es gibt ein Land (USA) mit einem Bundesstaat (Oregon), und der hat eine Stadt (Portland). Aus irgendeinem Grund gibt es aber trotzdem noch eine Seite "The World". Davon sind 4/5 Werbung ("Gehirntumor? Kommen Sie ins Holy-Beaver-Hospital: Neuartige Therapie billiger als Operation!") sodass noch Platz für einen (!!!) Artikel ist: "Affen-Unterart im peruanischen Dschungel entdeckt". Aber wenigstens weiß ich über die neue Mülltonnennorm in Gresham Bescheid.

Ich habe heute was ganz schlimmes gemacht. Ich bin zu BurgerKing gegangen und habe mir mit einem 2for1 Gutschein aus dem "Oregonian" 2 MegaCrunchyXtraBaconMonsterStacker (oder so ähnlich) geholt. Der Aufbau von unten nach oben: Labberfladen, Fleisch, Käse, Speck, Fleisch, Käse, Speck, Mayo, Gurke, Labberfladen. Wenn man von dem "Brot", das wirklich eine durch nichts zu entschuldigende Verrgewaltigung sämtlicher Backzutaten darstellt, absieht, schmeckt das Ganze nicht mal schlecht. Das blöde daran: Nach 1400 kcal habe ich mich irgendwie voll gefühlt, aber satt war ich nicht. So musste dann noch eine Ladung Süsskram hinterher. SO wird man fett! Doch ich verbuche das Ganze als wissenschaftliches Experiment, werde morgen mein Gutscheinheft an Bedürftige verschenken (vielleicht), und von nun an in redlicher Bescheidenheit von Dinkelkeimen leben.

PS: Liest eigentlich überhaupt jemand meine Ergüsse? Mein Narzissmus verlangt nach mehr K O M M E N T A R E N!
PPS: Ich habe gerade die S P E R R S C H R I F T für mich entdeckt und finde sie ganz arg T O L L!

Endlich mehr Fotos!

Von zahlreichen Seiten ward ich gescholten, man wollte mehr Bilder sehen als eins pro Post! Deswegen habe ich nun eine Foto-Seite gelegt: unter http://feliceindenusa.myphotoalbum.com gibt es GANZ VIELE, handverlesene Bilder aus dem großen Land im Westen!
Ansonsten gibt es gerade nicht viel Neues. Die Uni nimmt mich ziemlich in Beschlag, vermutlich muss ich mich jetzt dort mal ernsthaft engagieren... man kann halt nicht immer an blauen Seen spazierenfahren!

Sonntag, 30. September 2007

Crater Lake


Die erste Uni-Woche habe ich nun erfolgreich hinter mich gebracht. Da gab es gar viel zu beachten: Neben zahlreichen Batzen Paperwork so zum Beispiel die Frage der Kurswahl: Neben einem kleinen Forschungs-Projekt über neuartige Halbleitermaterialien habe ich nun einen Kurs über Röntgenstrukturanalyse, einen Physik-Kurs (Elektronik) und einen Spaßkurs in Yuppiekunde (Golf) in mein Pensum aufgenommen. Die erste Woche ging auch ganz gut über die Runden, aber sich nach 2 Monaten Ferien wieder an Vorlesungen, Laborarbeit und Bücher gewöhnen zu müssen, ist auch in Amerika nicht leichter als daheim.
Deswegen war am Wochenende auch erstmal wieder Erholung angesagt: Fünf Autostunden von Corvallis entfernt, im bergigen Süden Oregons, liegt Crater Lake. Dieser Nationalpark beherbergt im Krater eines erloschenen Vulkans den siebttiefsten See der Welt. Nachdem man uns den Teich schon zahllose Wochen im Voraus schmackhaft gemacht hatte, wollten alle German Exchanges ihn sich nicht mehr entgehen lassen. Während der größte Trupp allerdings schon letztes Wochenende dorthin getourt war, musste ich wegen sozial relevanter Verpflichtungen (Fahrradverkauf und Fachbereichsgrillen) leider daheim bleiben.
Doch glücklicherweise fanden sich in Eugene noch einige Rekruten für die Nachzügler-Tour am letzten geöffneten Wochenende des Jahres, und so machten wir uns um 7 Uhr morgens im Mietauto von Eugene aus auf den langen, langen Weg gen Süden.
Und wir wurden überrascht: Während Trupp I sieben Tage zuvor noch zelten und im See baden konnte, wurde Trupp II von einer Schneelandschaft empfangen. Der Anblick ist unglaublich und AWESOME. Grüne Bäume, bedeckt mit weißem Schnee, vor grauen Felsen, umgeben von stahlblauem Himmel und See. Nach einer Rundfahrt um den See machten wir uns auf zum Aussichtspunkt "Watchman". Der liegt auf einem ziemlich hohen Hügel, den der geneigte Wandersmann auf einem Waldweg unter hohen Fichten durch Schnee und Matsch zu erklimmen hat. Man ist hier dabei mehr oder weniger für sich: Auf dem ganzen Weg trafen wir vielleicht 5 Wanderer, und ein zutrauliches Streifenhörnchen.
Doch nach stundenlangem Marsch endlich mit nassen Schuhen oben angekommen, bot sich zwischen den umgebenden, immer wieder aufreißenden Wolken ein unglaublicher Blick: Der blaue See mit seiner Insel und dem blauen, bis in die Tiefe durchsichtigen Wasser auf der einen Seite, auf der anderen Seite endloser Wald, und am Horizont strahlen die endlosen Hügelketten Kaliforniens im Licht der schrägstehenden Sonne in allen Farben. Doch bei Temperaturen um den Gefrierpunkt in den Wolken zu stehen, ist nicht lange schön, und so wurde ziemlich zügig der Rückweg angetreten.
Ich bin immer wieder beeindruckt von den Tieren in Oregon. Neben schon beschriebenen Streifenhörnchen gibt es hier eine spezielle Sorte Eichhörnchen, grau und viel größer als in Deutschland. Eine seltsame blaue Vogelart weckt mich jeden Morgen mit markerschütterndem Geschrei ähnlich einer Elster, und der in Europa praktisch längst ausgerottete Kolkrabe wird zum gewohnten Anblick. Im Nationalpark raten gar Hinweitafeln zum richtigen Verhalten beim Kontakt mit Berglöwen (wir haben leider keinen gesehen).
Morgen ist Montag: Das heißt erstmal Abschied nehmen von Wald und Natur, und wieder rein ins stickige Labor... doch ab und an muss man halt auch mal studieren.

Sonntag, 23. September 2007

Morgen geht's los!

Während die deutsche Studentenschaft noch fast einen Monat lang ihre Ferien genießen darf, habe ich gerade den letzten Abend vor Uni-Beginn und damit dem (relativen) Ernst des Lebens rumgebracht. Allerdings auf eine ganz angenehme Art und Weise:
Der Leiter des örtlichen German-Departments würde gerne die momentane deutsche Studentenschaft anheuern, um seine Konversationsgruppen mit Muttersprachlern auszustatten.
Das Hiwi-Vergabeverfahren kannte ich bislang etwa so: Entweder, man hat Connections oder es gibt einen Aushang mit (ständig besetzter oder unerreichbarer) Telefonnummer irgendwo am schwärzesten Brett im tiefsten Winkel.
Hier geht das offenbar anders: Es wurde die gesamte Corvallis-Crew zum Professor nach Hause eingeladen, wo dann nach einem äußerst schmackhaften mehrgängigen Abendessen (Hühner-Barbecue mit selbst gebackener Heidelbeer-Pie als Nachtisch und gehörig Bier) die nötigen Formalitäten besprochen wurden. Eine davon ist die Beantragung der Sozialversicherungsnummer. Dazu muss man nämlich nach Albany, in den Nachbarort, und zwar genau an das Ende, wo kein Bus hinfährt. Deswegen will uns der freundliche Professor eigens dort hin karren. Offenbar sind Native German Speakers eine sehr begehrte Spezies. Ich sollte mir fast überlegen, "Professional Native German Speaker" oder eine ähnlich gerichtete Karriere anzustreben...

Corvallis hat etwa 50.000 Einwohner. Warum man zu Fuß trotzdem gerne mal 3 Stunden hin und zurück unterwegs ist, weiß ich nun auch: Die Fläche ist aber riesig. Hier hat nämlich jeder sein eigenes Häuschen, so gut wie niemand lebt in einem Hochhaus. Damit auch wirklich alle in Corvallis sich so ein Häuschen leisten können, scheint das Haupt-Baumaterial der ostdeutschen Kraftfahrzeugbau entlehnt: Bis auf das Rathaus, das Gericht, die Uni und das County Jail sind alle Gebäude einfach aus Pappe.
Ich höre zum Beispiel, wenn ich im Bett liege, den Kühlschrank in der Küche drunter summen.
Offenbar hat man in Amerika aber keine Probleme mit hellhörigen Nachbarn. Ich war gestern nämlich auf einer College-Party in der Garage eines solchen Papp-Reihenhauses. Da wurde lautstark Beer Pong gespielt, und das geht so: Man nimmt eine Tischtennisplatte, wenn man nicht, so wie die Gastgeber, einen extra Beer Pong-Tisch hat. Dann stellt man Plastikbecher mit Bier auf jede Seite, und muss dann versuchen, mit einem Ball die Becher der Gegenseite zu treffen.
Ohhhh.... und ich hab jetzt ein Fahrrad! Das ist hier nicht leicht zu kriegen. Nach einem Telefongespräch und einer etwas großzügigen Angabe der Entfernung (Soll: 30 min, Ist: 2,5 Stunden) kam ich bei meinem ersten "bike appointment" an. Da waren die Verkäufer aber leider ausgeflogen... also wieder 2 Stunden zurück. Bei meinem nächsten Anruf war das Radl dann schon verkauft.

Ich hab ich nun ein altes Rennrad mit Oma-Lenker und Oma-Sattel. Da aber auch sowas hier anscheinend klaugefährdet ist, habe ich mir ein Schloss gekauft (das billigste, natürlich) und stolz meinen Neuerwerb vor der Uni angeschlossen. Dumm: Es handelte sich offenbar um ein Einmalschloss, denn es ging zwar zu, aber nicht mehr auf. So ging ich zum Baumarkt (zu Fuß) und kaufte mir eine Feile... man kann 10 Minuten mittags vor der Uni an einem Fahrradschloss rumsägen, und keiner sagt was! Ich musste dann nochmal teures Geld für ein neues Schloss bezahlen... aber ich bin endlich wieder mobil und frei! Und das ist schön.

Freitag, 21. September 2007

Für alle...

...die schon sehnsüchtig auf Fortsetzung warten: Mein Gratis-Internetanschluss (ungesichertes WLAN in der Nachbarschaft) verweigert mir die Treue. Ich bemüh mich aber um eine Lösung und kann euch hoffentlich schon bald wieder mit Neuigkeiten aus dem komischen großen Land im Western versorgen!

Viele Grüße!!

Felix

Sonntag, 16. September 2007

Krab Kamping Kollege


Oregon liegt am Pazifik. Den wollten wir sehen, und denn wollte man uns auch zeigen. Da es von Portland aber ein gutes Stück bis ans Meer ist, wurden wir in die State Vans verfrachtet (offizielle Transportvehikel des Staates Oregon. Eigentlich aber nur Mietautos, in denen man keinen Alkohol transportieren darf) und nach Newport gekarrt, quasi das Lido di Corvallis.
Wir fuhren also langsam gen Küste, im schönsten Sonnenschein, und etwa 10 Kilometer vor Newport wurde es dann grau und diesig, und so sollte es auch bleiben.
Trotzdem gabs abends ein Lagerfeuer am Strand, und wir schafften es auch, trotz des staatlichen Biertransportverbots ein wenig Gerstensaft zu organisieren. "Hamms Lager" wirbt auf der Dose: "From the land of sky blue water". Zu Recht, denn vor allem ebenjenes "Sky Blue Water" hat bei der Herstellung reichlich Verwendung gefunden, will sagen: Das Bier schmeckt nach nix und wirkt auch irgendwie nicht so recht.
Aber trotzdem wurde es ein feiner Abend, und am nächsten Tag war die Attraktion angesagt: Crabfishing!
Crabfishing geht so: Man nimmt ein kleines Motorboot und ein paar Reusen. Die bestückt man dann mit "some nasty stuff", übel riechenden Bollen in Zeitungspapier. Die Reusen versenkt man dann, und versucht, die daran befestigten Bojen nicht aus den Augen zu verlieren. Nun patroulliert man an den Bojen auf und ab, möglichst, ohne die Leinen um die Schraube zu wickeln (haben wir nicht ganz geschafft ;) ).
Ab und zu zieht man die Reusen raus, und wenn ein Krebs drin ist, holt man ihn raus, möglichst, ohne gebissen zu werden. An der Panzerform kann man erkennen, ob es ein Bub oder Mädeli ist (die weiblichen Krebse müssen alle wieder freigelassen werden), und dann misst man den Krebs, ob er die erlaubte Essgröße hat (hatte bei uns nur einer).
So treibt man es einige Zeit, der "Nasty Stuff" hat sich vom Zeitungspapier befreit und entpuppt sich als Rückstand der Pelztier-Industrie.
Aber nicht nur Krebse finden so was lecker, auch ein Seehund kam vorbei und versuchte, uns unseren Köder zu klauen!
Wenn man keine Lust, keine Zeit oder kein Geld mehr hat, fährt man zurück und schmeißt den Nerz ins Wasser. Die Krebse werden gekocht und ausgenommen, den fehlenden Anteil Fang kauft man beim örtlichen Fischhändler zu. Erstaunlicherweise ist Portland ein funktionierendes Fischerdorf, die Infrastruktur geht weit über das hinaus, was man in deutschen oder französischen "Fischerdörfern" aus Touri-Zwecken am Leben hält.
Abends am Campingplatz wurden dann die Krebse zusammen mit Kartoffeln und Gemüse in einen Topf geschmissen und nochmal gekocht. Der ganze Pamps wird dann auf dem Tisch verteilt und einfach so gegessen. Krebs schmeckt sehr sehr gut! Auch wenn mans nicht glauben mag, bei dem, was die Viecher alles fressen.
Übrigens war ich noch im Pazifik! Der hat ungefähr so 0°C. Aber ICH HABS GETAN! :) :) :)
Nächstes Thema: Getting settled - wie man in Corvallis kein Fahrrad kriegt.

Columbia Gorge & Multnomah Falls


Östlich von Portland fließt der zweitlängste Strom Nordamerikas vorbei, und kurz vor seiner Mündung in den Pazifik ist der Columbia River dann auch entsprechend breit. Soviel wusste ich bei der Abfahrt vom Studentenwohnheim, in dem wir untergebracht sind.
Nach einigem wilden Gekurve kam unser Bus dann an einem Aussichtspunkt an, und es war bombastisch. Ein riesiger, stahlblauer Fluss windet sich durch das Tal, mitten drin eine Trauminsel mit weißem Sand (okay, statt Palmen halt mit Fichten, aber gilt auch), als Kulisse eine Vulkanlandschaft und im Hintergrund thront Mt. St. Helens.
Direkt am feinsandigen Ufer: der Interstate Highway.
Ein Stück flussaufwärts ist der Columbia River aufgestaut, ein Wasserkraftwerk erzeugt Strom für die Klimaanlagen der Umgebung. Allerdings haben sich die Betreiber alle Mühe gegeben, und ein wirklich gutes Informations-Zentrum geschaffen, in dem man sich über Wasserkraft, den Bau des Staudamms und die umgebenden Tier- und Pflanzenwelt schlaumachen kann.
Tolle Idee: Die Fischtreppe, die den wandernden Lachsen ermöglichen soll, das Kraftwerk zu passieren, ohne als Sushi zu enden, ist von unten verglast. So kann der geneigte Zuschauer den RIESENGROSSEN Lachs-Tieren beim Ziehen zuschauen, während gruslige Neunaugen mit ihren scharfen Fressmäulern an der Scheibe kleben.
Außerdem wurde sogar noch ein Informations-Häuschen zum Thema Energiesparen eingerichtet - hier stehen die Leute und lauschen mit ernster Miene den drohenden Gefahren, die mit Ressourcenverbrauch und Klimaerwärmung einhergehen, und setzen sich dann in ihre Pickup-Trucks, um bei laufendem Motor (Hauptsache, drinnen wird das Klima nicht zu warm!) in einem Plastikinferno ihr Mittagessen einzunehmen.

In der Nähe des Kraftwerks befinden sich die Multnomah Falls. Mit einer beeindruckenden Fallhöhe, vielleicht 200 m oder so (auch irgendein Vize-Rekord glaube ich), stürzt sich das Wasser über zwei Stufen in ein moosbewachsenes Becken hinab. Die Betreiber der Papierfabrik, die den armen Willamette River so zugerichtet hat, hat wohl das schlechte Gewissen geplagt, jedenfalls windet sich jetzt ein gesponserter Wanderweg bergauf durch den Wald bis zum "Vor dem Fall".
Der Weg ist zwar geteert, aber ziemlich lang und auch relativ steil, und man sieht immer mal wieder dicke Leute keuchend am Rand stehen, die stöhnend nach oben blicken, oder Hunde, die sich von ihren Herrchen tragen lassen.
Wer die etwa 30-45 Minuten Aufstieg hinter sich gebracht hat, wird dafür nochmal mit einem beeindruckenden Blick über den Columbia River belohnt.
Ich mags hier.

Jetboating


Die Menschen in Oregon sind sehr naturverbunden. Auf ihre ganz eigene Art. Das habe ich beim sogenannten "Willamette Jet Boating" erlebt. Der Willamette River ist der Fluss, der durch Portland fließt. Er ist sehr breit und kommt aus einem wunderschönen, grünen Tal, das mit Wasserfällen, hohen Bäumen und einer bemerkenswerten Fauna (Seeadler-Nest) gesegnet ist.
Mit naturschützenden Bauvorschriften ist man hier nicht so streng, denn im Land of Plenty gibt es selbstverständlich genügend freie Flussufer, sodass, wer gut betucht genug ist, sich eine Luxusvilla da hin stellt, je nach Wünschen mit Yacht-Schwimmgarage oder dem farblich zum Wasserflugzeug passenden Kai.
Direkt nach den Wasserfällen befindet sich eine unglaublich hässliche Papierfabrik, eine riesige Anlage, die sich fast einen Kilometer weit am Flussufer entlang streckt. Eigentlich ist sie viel kleiner, aber wenn hier eine alte Fabrik verfällt, wird sie nicht abgerissen und neu aufgebaut, sondern man überlässt sie sich selber und baut eine neue direkt daneben. So wachsen direkt neben rauchenden Schloten junge Buchen aus den Ruinen der alten Dampfkessel, und das in einer Umgebung, nach der sich wahrscheinlich jeder (europäische) Tourismusverband die Finger ablecken würde.
Und vor dieser Kulisse findet nun das Jetboating statt: Ein eher langweilig aussehendes blaues Boot lädt etwa 70 Touris ein, tuckert gemütlich den Strom aufwärts, bis plötzlich irgendwelche verborgenen, aber enorme Motoren aufbrüllen, die Nase des Gefährts hebt sich aus dem Wasser und das ganze Vehikel prescht, eine üble Abgasfahne hinter sich herziehend, mit vielleicht 70 km/h übers Wasser. Jede kleine Welle wird zum Schlagloch, es bockelt wie auf einem wilden Gaul. Das geht dann so lang, bis der Typ am Steuer (leider nuschelte er, deswegen habe ich seine Ausführungen zu Natur und Villen eher nur bruckstückhaft verstanden) entweder
a) abrupt abbremst und dann rückwärts Gas gibt, sodass sich vorne eine weiße Wasserwand auftut, in der der Kahn zu versinken scheint oder
b) ebenfalls eabrupt abbremst, dann aber auf der Stelle wendet und die noch stehende Heckwelle durchkreuzt. Dabei werden dann die Leute nass, vor allem der arme verkaterte Oko, einer unserer Assistenten, hatte einen besonders begünstige Sitzplatz erwischt.
Ich glaube nicht, dass diese Art der Fortbewegung für Natur und Umwelt sonderlich förderlich ist. Allerdings muss man zugeben: sie macht einen Heidenspaß.

Donnerstag, 13. September 2007

Appartment hunting


Donnerstag, 6. September 2007.

Nach einer eher etwas längeren Nacht brachen wir in den State Vans (staatseigenen Gefährten, die als solche gekennzeichnet sind und angeblich nur zu offiziellen Zwecken gebraucht werden dürfen) zur Wohnungssuche auf! Jede Gruppe fuhr in ihre spätere Studienstadt, um dort eine Bleibe zu finden.
Und während dieser zwei Tage Wohnungssuche fanden sich einige schräge Sachen. Während Eugene eindeutig eine Hippiestadt sein soll, ist Corvallis doch eher konservativ geprägt. Neben einer zu besichtigenden Hütte war nämlich das Gefährt aus der Überschrift abgestellt.
Während einige arme Zeitgenossen die ersten Nächte noch im Motel vebringen müssen, habe ich eine Bleibe bei Abby, der Leiterin des örtlichen Zen-Buddhisten-Meditationskreises gefunden. Bin mal gespannt, wie wir miteinander auskommen.
Freuen Sie sich nun mit mir auf den nächsten Post: Krebse, Camping, Katastrophen!

Welcome to Portland!


"Liebe Fluggäste des Fluges LH 160 nach Frankfurt, leider ist Ihre Maschine eben erst in Frankfurt losgeflogen. Deshalb verzögert sich der Abflug um etwa eine halbe Stunde. Bitte haben Sie Verständnis." - Lufthansa Bodenpersonal STR

"He, Sie da, bleiben Sie gefälligst stehen, was meinen Sie eigentlich, wer Sie sind, wo Sie hinzugehen haben, sage ich ich Ihnen und sonst niemand! So, und jetzt Schalter sechs, ja los, ich hab auch nicht den ganzen Tag Zeit!" - Garstige Frau vom Sicherheitspersonal FRA

"Liebe Fluggäste, weil Regenwasser in die Kabine eindringt, verzögert sich das Boarding leider auf unbestimmte Zeit. Wir, äh, unsere Techniker versuchen, das Problem zu lösen. Vielen Dank für Ihr Verständnis." - Bodenpersonal der Lufthansa in FRA, alle Passagiere warten schon am Flugzeugrüssel.

"Liebe Passagiere, leider müssen wir aus Sicherheitsgründen zwei Koffer suchen und wieder ausladen, weil die zugehörigen Passagiere nicht an Bord sind. Deshalb verzögert sich unser Abflug nochmals." Piloten-Ansage, das mittlerweile abgedichtete Flugzeug ist schon auf dem Weg zum Start.

Trotz allem habe ich es geschafft, dem engen Flugplan irgendwie nachzukommen, wobei ich allerdings etwa die gefühlte Hälfte der Flugstrecke wandernd auf dem Washingtoner Flughafen zurücklegen durfte. Und da saß ich nun, nach 20 Stunden unterwegs, mit zwei Koffern irgendwo in Portland, der unbekannten Stadt, in der ich mich nun 2 Wochen auf mein Auslandsjahr im unbekannten Land vorbereiten (lassen) sollte, und wartete auf Einlass ins Studentenwohnheim "Broadway Hall". Übrigens bin ich laut dem IQ-Test im United Airlines-Bordmagazin hochbegabt (mit 1 von 10 richtigen Antworten wäre ich allerdings auch schon "average")!
Zum Glück waren die anderen Austauschstudenten schon vorausgeflogen und hatten mir ein Stückweit die Bahn geebnet :).

Die folgenden Tage boten unter anderem viele Informationen über die Tücken der interkulturellen Verständigung, Tricks bei der Wohnungssuche und beim Autokauf, einen Praxis-Crashkurs "American Fastfood I-III: Burger, Sandwich, Mexican".

Portland ist eine unglaublich sympathische Stadt, sehr grün und irgendwie mit europäischem Flair. Toll: Straßenbahnen und Busse bringen einen kostenlos überall hin, auch zur örtlichen Mall - da wird man den gesparten Fahrpreis dafür umso schneller wieder los.
Der nächtliche Blick aus dem Restaurant im obersten Stockwerk eines Wolkenkratzers ist auch die 5 $ für ein Fläschchen "Miller Light" wert.
Apropos Bier: die Lieblingssorte unseres Special Program Assistants Oko nennt sich St. Pauli Girl und wird (angeblich) aus Bremen importiert.


Etwas beängstigend wirkt dagegen die Zeitung, die wir zwecks Herbergssuche studieren: Neben dem gut gemeinten tierärztlichen Rat: "Don't feed your pet with alcohol" wirbt der örtliche Gun Store mit Fotos von Männern in Flecktarn-Jagdanzügen, die schwer bewaffnet durch den Wald pirschen: "Get it now- then you have time to prepare". Wieso verkauft man Leuten, denen man offenbar zutraut, ihrem Hamster Whisky ins Trinkfläschchen zu füllen, großkalibrige Jagdwaffen? Die Antwort: "It's a fuckin' free country!"