Sonntag, 16. September 2007

Jetboating


Die Menschen in Oregon sind sehr naturverbunden. Auf ihre ganz eigene Art. Das habe ich beim sogenannten "Willamette Jet Boating" erlebt. Der Willamette River ist der Fluss, der durch Portland fließt. Er ist sehr breit und kommt aus einem wunderschönen, grünen Tal, das mit Wasserfällen, hohen Bäumen und einer bemerkenswerten Fauna (Seeadler-Nest) gesegnet ist.
Mit naturschützenden Bauvorschriften ist man hier nicht so streng, denn im Land of Plenty gibt es selbstverständlich genügend freie Flussufer, sodass, wer gut betucht genug ist, sich eine Luxusvilla da hin stellt, je nach Wünschen mit Yacht-Schwimmgarage oder dem farblich zum Wasserflugzeug passenden Kai.
Direkt nach den Wasserfällen befindet sich eine unglaublich hässliche Papierfabrik, eine riesige Anlage, die sich fast einen Kilometer weit am Flussufer entlang streckt. Eigentlich ist sie viel kleiner, aber wenn hier eine alte Fabrik verfällt, wird sie nicht abgerissen und neu aufgebaut, sondern man überlässt sie sich selber und baut eine neue direkt daneben. So wachsen direkt neben rauchenden Schloten junge Buchen aus den Ruinen der alten Dampfkessel, und das in einer Umgebung, nach der sich wahrscheinlich jeder (europäische) Tourismusverband die Finger ablecken würde.
Und vor dieser Kulisse findet nun das Jetboating statt: Ein eher langweilig aussehendes blaues Boot lädt etwa 70 Touris ein, tuckert gemütlich den Strom aufwärts, bis plötzlich irgendwelche verborgenen, aber enorme Motoren aufbrüllen, die Nase des Gefährts hebt sich aus dem Wasser und das ganze Vehikel prescht, eine üble Abgasfahne hinter sich herziehend, mit vielleicht 70 km/h übers Wasser. Jede kleine Welle wird zum Schlagloch, es bockelt wie auf einem wilden Gaul. Das geht dann so lang, bis der Typ am Steuer (leider nuschelte er, deswegen habe ich seine Ausführungen zu Natur und Villen eher nur bruckstückhaft verstanden) entweder
a) abrupt abbremst und dann rückwärts Gas gibt, sodass sich vorne eine weiße Wasserwand auftut, in der der Kahn zu versinken scheint oder
b) ebenfalls eabrupt abbremst, dann aber auf der Stelle wendet und die noch stehende Heckwelle durchkreuzt. Dabei werden dann die Leute nass, vor allem der arme verkaterte Oko, einer unserer Assistenten, hatte einen besonders begünstige Sitzplatz erwischt.
Ich glaube nicht, dass diese Art der Fortbewegung für Natur und Umwelt sonderlich förderlich ist. Allerdings muss man zugeben: sie macht einen Heidenspaß.

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