Dienstag, 13. November 2007

NBA - White men can't jump


Mein Austausch-Kollege hat sich ein Auto gekauft. Eigentlich wäre das endlich ein Anlass, um einmal zum Rundumschlag gegen die amerikanische Mobilität auszuholen. Leider ist mir damit schon jemand zuvorgekommen, und deswegen empfehle ich an dieser Stelle wärmstens folgenden Blog-Artikel, der mir zutiefst aus der Seele spricht:
http://johannes.ist-dein-freund.de/2007/09/18/autos/
Auf jeden Fall ist Phillip nun stolzer Besitzer des sogenannten Porno-Van. Wie kommt es zu diesem Namen? Das uralte Gefährt ist riesengroß, etwa so wie ein VW-Bus, innen mit riesig breiten Einzelsitzen ausgestattet, die üppig mit pinkem Plüsch überzogen sind. Dazu kommt die aus vielen kleinen, in diversen Zierleisten verborgenen Lämpchen bestehende Innenbeleuchtung. Die angespaxten Windleit-Profile fallen zwar ab, der Kühler leckt und der Sechsliter-Motor genehmigt sich 20l/100km, aber dafür ist man sehr gehoben unterwegs!
Um das Gefährt standesgemäß einzuweihen, haben wir uns am Wochenende auf eine Fahrt nach Portland gemacht. Im Rose-Gardens-Basketballstadion traten die Portland Trail Blazers gegen die Dallas Mavericks an - mit auf dem Feld: Dirk DÖRK Nowitzki, meines Wissens nach zur Zeit der einzige Deutsche in der NBA (und nebenbei der einzige Weiße seines Teams).
Nach Ankunft in Portland, einnehmen unseres 13-Dollar-Parkplatzes und einer kurzen, aber intensiven Fresstour per Straßenbahn drängelten wir uns in die Halle:
Amphitheaterartig türmen sich die Sitze an den Seiten, und ganz weit unten hampeln ein paar kleine Männchen über ein überraschend leer aussehendes Feld. Dass allesamt Riesen im Vergleich zum Durchschnittsamerikaner sind, war aber selbst von den entferntesten Plätzen zu bemerken.
Ein NBA-Spiel dauert 4*12=48 Minuten. Vom Anpfiff bis zum Endergebnis vergehen aber allermindestens zwei Stunden. Der Grund: Die zahlreichen Timeouts! Sobald ein Trainer den Wunsch danach äußert, läuft das umfangreiche Rahmenprogramm an: zusätzlich zur dauerhaft flimmernden Bandenwerbung (Rundum-Bildschirm, natürlich) wird auf dem Haupt-Videowürfel allerhand Unsinn eingeblendet: Opa Charles gratuliert Enkel Timothy zum achten Geburtstag, Colonel Jeff Walters meldet sich aus dem Irak und erklärt, wie gerne er jetzt dabei wäre, und natürlich Werbung, Werbung, Werbung. US-Profisport ist, glaube ich, die größte Kommerzveranstaltung weltweit. Jeder freie Quadratmeter ist mit Firmenlogos, oder schlimmer, dauernd wechselnden Bildschirmen zugepflastert, die um die Gunst des Kunden buhlen, während ein kleines Luftschiff in Auto-Form durch die Halle schwebt und Probefahrtgutscheine über den teuren Plätzen abwirft.
Gleichzeitig entert ein US-Army-Team das Basketballfeld und versucht, mit ziemlich albern anmutenden Hampeleien den unbedarften Zuschauer zu beeindrucken und so letzten Endes zu den Waffen zu pressen. Gekrönt und umrahmt wird der ganze Zirkus von der immerwährend dudelnden Stadionorgel und zahlreichen Cheerleadern, die ebenfalls während Spielpausen und Timeouts die Hüften schwingen.
Trotz der zahlreichen deutschen Unterstützung im Publikum hat sich Dörk nicht gerade mit Ruhm bekleckert und verlor ziemlich deutlich gegen die schlechteste Mannschaft der letzten Saison.
Irgendwann waren aber die 48 Spielminuten um, alle Werbung abgeflimmert und die letzte Ladung Plastiklametta verschossen. Unter der lakonischen Meldung des Videowürfels ("Blaizers Win") verlässt man das Stadion.
Draußen gab es erstmal ein Wiedersehen mit der restlichen Austauschgruppe, denn zum Dörk-Gucken hatte sich das ganze BW-Programm in Portland zusammengefunden.
Der restliche Abend endete in einem etwas seltsamen Club: Während auf dem oberen, durch weiße Schleier abgetrennten VIP-Level ein Sektkühler nach dem anderen verschwand, konnte man unten vom Klo aus die Tanzfläche beobachten: ein venezianischer Spiegel auf Augenhöhe machts möglich.
Heute ist Dienstag, und die Uni hat mich wieder. Trotz absolvierter Midterms gibt es nach wie vor genug zu tun, aber die Arbeit macht viel Spaß (Nächte ergebnisloser Fehlersuche im Excel-Sheet ausgenommen)!
Was den Pornovan anlangt: der hat seinen nächsten Einsatz an Thanksgiving und soll auf einem Roadtrip nach Vancouver seinen Anteil zum Klimawandel leisten.



Viele Bilder und die ein oder andere Anekdote gibt es natürlich auf meiner Fotoseite (siehe Links)!

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Ey Großer!
Hört sich mal wieder klasse an! Bei uns ist es arschkalt und nass und alles ist voller Schnee. Und die Züge streiken jetzt schon tageweise. Naja, das ist damit dann der deutsche Beitrag zum Klimawandel. Wie immer wünsch ich dir: genies die Zeit! und mach so viel Unsinn wie möglich (und meld dich mal, es gibt spannende Neuigkeiten) Liebe Grüße, Ulla