Liebe Leser,
hier kommt endlich der versprochene Eintrag zum Fulbright-gesponsorten Trip nach Washington D.C.!
Irgendwie ist es schon verrückt, jetzt bin ich seit einem halben Jahr in den USA, und habe das Land schon fünfmal im Flugzeug überquert. Der letzte Trip führte mich direkt ins politische Zentrum der vereinigten Staaten und einen der Brennpunkte der Weltpolitik! Doch der Reihe nach:
Ende vergangenen Jahres kündigte mein Stipendiengeber an, mich auf ein sogenanntes "Cultural Enrichment Seminar" an die Ostküste schicken zu wollen - unter Übernahme aller Spesen, versteht sich. Dazu habe ich natürlich nicht nein gesagt, und so bestieg ich letzte Woche den Flieger nach Washington!
Bei der Ankunft fand ich mich, völlig erschlagen von der durch mehrmaliges Umsteigen und drei Stunden Zeitverschiebung geprägten Nacht, in einem todesvornehmen Hotel wieder, zusammen mit weit über hundert anderen Gaststudenten aus allen Ecken der Erde, die gerade an allen möglichen Orten der USA ein Auslandsjahr (oder mehr) verbringen, allerdings vornehmlich an eher gehobenen Adressen (Harvard U, MIT, Berkeley waren mit am häufigsten vertreten).
Das Seminarprogramm bestand aus teils sehr guten Vorträgen von Fulbright-Officials und Stipendiaten zur politischen Situation in ihrem Land, einer Wahlsimulation (bei der mein Team kläglichst untergegangen ist, aber es war trotzdem ein großer Spaß!!!), und einer großen Stadtführung. Einer der Main-Acts, die Diskussion mit High-School-Studenten aus der Region, fiel aufgrund von Glatteis leider aus, aber so blieb schon mehr Zeit für die vielbesungenen Museen der Smithsonian Instituition, die allesamt groß, großartig und großzügig (da kostenfrei) sind! Auf der Fotoseite werde ich einiges dazu erklären.
Der Baustil von Washington gefällt mir überhaupt nicht. Huch! Ja, die Stadt ist zwar geordnet, wohlorganisiert, unglaublich sauber, und sogar die Metro funktioniert zuverlässig - aber wenn mehreren Generationen von Städteplanern in bald 300 Jahren nichts anderes einfällt als griechische Säulen, Marmortempel, noch größere Tempel und noch protzigere Säulen, dann finde ich das schon ein bisschen enttäuschend.
Natürlich soll eine Hauptstadt repräsentativ wirken, und ein bisschen Angabe ist sicher auch in Ordnung. Aber warum sieht jedes, wirklich JEDES Repräsentationsgebäude gleich aus, und warum ausgerechnet in den USA, dem Land, das die Architektur des 20. Jahrhunderts geprägt hat wie kein zweites?
Hat man sich aber erstmal an den immer gegenwärtigen Prunk gewöhnt, hat die Stadt außer Museen noch einiges mehr zu bieten! Man kann nämlich auch fein essen gehen (war ich zweimal :) ), fein trinken gehen (war ich auch), und sehr gehoben weggehen (hab ich mir auch nicht entgehen lassen). Die vielen Grünflächen sind wirklich toll, und machen vor allem das Regierungsviertel mit seinen Parks und den vielen Skulpturen-Gärten wirklich zu einer innerstädtischen Oase.
Sehr viel Spaß hat mir auch der "Homestay" gemacht. Dabei wurden wir in kleinen Gruppen von Fulbright-Alumni aus der Region nach Hause zum Essen eingeladen. Mein Gastgeber war ursprünglich als jordanischer Austtauschstudent an die Ostküste gekommen, und es war wirklich sehr angenehm und interessant, sich ausnahmsweise mal im unspießigen, anzugfreien Rahmen zu unterhalten.
Sehr gern wäre ich noch ein paar Tage nach New York gefahren (35$ roundtrip), aber die Uni ruft, und so musste ich Sonntag Nachmittag wieder das Flugzeug Richtung Westen besteigen.
Wer noch ein wenig mehr über meine 5 Tage im "Zentrum der Weltpolitik"erfahren mag, ist sehr herzlich eingeladen, sich die kommentierten Bilder anzuschauen!

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